Goldene Weg („Gulden Straߓ)

Der Goldene Weg gehörte zum System der mittelalterlichen Handelswege, die den Šumava durchkreuzten, und er nahm eine zentrale Stellung ein. Er lag ungefähr in ihrer geografischen Mitte. Die Weg verlief in bis zu 1200 m Höhe und er gehörte daher zu den höchst gelegenen Handelsverbindungen im mittelalterlichen Mitteleuropa. Wen wir den Salzweg verfolgen, den Weg des zweitbedeutendsten Handelsartikels, begann der Goldene Weg in Passau an der Donau und führte durch die Städtchen Hals und Grafenau, durch das Kloster Sankt Oswald und die kleine Siedlung Waldhäuser in die tiefen Wälder unter dem Berg Lusen (Luzný, 1373 m) und weiter auf tschechischem Gebiet durch die später entstandene Ortschaften Modrava (Mader), Filipova Hu (Philipshütte) und Horská Kvilda (Innergefild), wo er im Oberen Goldenen Steig (auch Bergreichensteiner Zweig des Goldenen Steigs) aufging. An der Stelle, an der der Goldene Weg die tschechisch-bayerische Grenze passierte („Modrý sloup“, Blaue Säulen – Gmde. Modrava - heute im Schutzgebiet des Nationalpark Šumava) stand ein Galgen, den die Stadt Grafenau verwaltet hatte.

Der Weg wurde auf bayerischer Seite durch die befestigte Stadt Grafenau geschützt und auf tschechischer Seite zusammen mit den Oberen Goldenen Steig durch die Burg Kašperk (Karlsberg), welche Kaiser Karl IV. bei Kašperské Hory (Bergreichenstein) erbauen ließ.

Der Gründer des Goldenen Weges war der römische Kaiser und böhmische König Karl IV.. Er bezeichnete ihn als öffentliche Straße („strata publica“). In dieser Zeit haben sich die Namen „böhmischer“ oder „alter“ eingebürgert. Er sollte den Planungen des Herrscher zufolge ein Teil des Fernhandelsnetzes werden, das über Passau und Salzburg Prag mit Venedig und den Mittelmeer verbindet.

Aus einer Urkunde Karl IV. aus dem Jahr 1356 geht hervor, dass der Goldene Weg und der mit ihm verbundene Obere Goldene Steig von Heinczlin Bader auf Anordnung des Kaisers geplant und markiert wurde. Dieser erhielt dafür Land bei der Siedlung Èervená (Rot) in der Nähe von Kašperské Hory.

Von der Bedeutung, die Karl IV. dem neu errichtetem Weg zuschrieb, zeugen auch die geplanten Gründungen der Städte Grafenau und Hals bei Passau (das Stadtrecht bekamen sie im Jahr 1376), sowie die geplante Gründung des kleinen Paulanerklosters Sankt Oswald (gegründet 1396) an der Trasse. Alle Orte sollten der Unterstützung der Handelsreisenden dienen, das Kloster sollte auch eine Zuflucht darstellen. Über den Goldenen Weg wurden ähnliche Waren wie auf dem benachbarten Goldenen Steig transportiert – aus südlicher Richtung kamen über Passau Salz und Luxuswaren (z. B. Gewürze, Wein, Stoffe und Waffen) nach Böhmen, aus Böhmen waren es in südlicher Richtung vor allem Getreide und andere Nahrungsmittel (z. B. Malz, Hopfen, Käse, Fett und Talg), aber auch Salzheringe aus den Hansestädten im baltischen Raum.

Die Hussitenkriege am Anfang des 15. Jahrhunderts und die darauf folgenden Unruhen in der Zeit nach der Herrschaft der Hussiten und in der Zeit der Podiebrader lähmten den vielversprechenden Handel auf dem Goldenen Weg. Das bayerisch-böhmische Grenzgebiet wurde zum Zeugen zahlreicher bewaffneter und blutiger grenzüberschreitender Auseinandersetzungen des unruhigen westböhmischen Adels. Dies führte zu einer enormen Verschlechterung der Bedingungen für Verkehr und Handel.

Zu einer bedeutenden Wiederbelebung des Goldenen Weges und auch des Goldenen Steigs kam es im Laufe des 16. Jahrhunderts. In dieser Zeit begannen die bayerischen Herzöge beim Salzhandel mit den bis dahin den Handel dominierenden Bischof von Passau zu konkurrieren und der Goldene Weg durch Grafenau diente ihnen zum Transport des bayerischen Salzes aus den Fundstätten in den Alpen nach Böhmen. Um ihre eigenen Ansprüche zu unterstreichen und sich vom Passauer Weg abzugrenzen, begannen sie ihren Weg als „echten und uralten Goldenen Weg“ („recht uralt gulden Straߓ) zu bezeichnen. Das Prädikat „golden“ trugen daher gleichzeitig vier Wege im Šumava – die drei Zweige des Passauer Weges (Goldener Steig) und der bayerische Goldene Weg.

Eine kürzlich wiederentdeckte bayerische Landkarte aus dem Jahr 1574 beinhaltet auch Informationen über den Verlauf des Weges in dieser Zeit. Der Karte zufolge überquerte er auf einer Brücke in Passau die Donau, von dort aus ging es über die Mautstelle „auf der Ries“, Ruderting und Tittling nach Grafenau. Von Grafenau aus führte der Weg über das Kloster Sankt Oswald hoch zum Bergkamm, dem Grenzübergang mit Galgen unter dem Berg Lusen (Luzný) und über den „großen Baum“ auf böhmisches Gebiet. Auf böhmischer Seite übernahmen die Bürger der Stadt Kašperské Hory die Verwaltung des Weges von der Stadt Grafenau. Zu seinem Zielort gelangte der Goldene Weg über die Siedlung „Gfülg“ (Horská Kvilda – Innergefild).

Eine Initiative der Stadt Grafenau trug dabei maßgeblich mit zur Wiederbelebung des Goldenen Weges bei. Die Stadt wandte sich 1560 direkt an den bayerischen Herzog Albert und bat ihn um Hilfe bei der Erneuerung der Infrastruktur des Weges. Der Herzog, dabei auch auf seinen eigenen Vorteil – die Gewinne aus dem Betrieb und den Gebühren für den Weg – bedacht, vermittelte der Stadt Grafenau die Unterstützung der böhmischen Seite bei der Erneuerung des Weges.

Der Handel mit dem bayerischen Salz auf den Goldenen Weg begann danach zu florieren und er entwickelte sich zu einer unerwünschten Konkurrenz, die die Interessen der böhmischen Städte am Goldenen Steig (Prachatice – Prachatitz , Vimperk – Winterberg und teilweise auch Kašperské Hory) und dem Fürstbistum in Passau zu schädigen begann. Der Handel prosperierte aber nur eine relative kurze Zeit beim Übergang vom 16. ins 17. Jahrhundert. Bereits im Jahr 1608 wurde ein Vertrag geschlossen, demzufolge das bayerische Herzogtum das „bayerische“ Salz an die Stadt Passau verkaufte, welche es dann zusammen mit dem Passauer Salz (beide kamen aus den gleichen Quellen im Grenzgebiet Bayern – Salzburg) auf dem Goldenen Steig nach Böhmen transportierte. Dies führte zu einem schnellen und bedeutsamen Rückgang des Handels auf dem Goldenen Weg.

Die Stadt Grafenau betrieb den Weg zwar noch lange weiterhin bis zur bayerisch-böhmischen Grenze, aber die Bedeutung des Weges als wichtige Handelsstraße und die Position der Stadt Grafenau als Zentrum des Salzhandels war endgültig verloren. Auf dem Goldenen Weg wurde noch einige Zeit Salz nach Böhmen geschmuggelt und aus Böhmen brachte man Malz und Getreide nach Bayern. Der Verbot des Imports von fremden (d.h. nicht österreichischen) Salzes nach Böhmen im Jahr 1706 war jedoch der entscheidende Schlag für den Goldenen und den Passauer Weg (Goldener Steig) und bedeutete das Ende dieser Handelswege. Der Goldene Weg wandelte sich zu einem Fuß- und Schmugglerweg zwischen Bayern und Böhmen und verkam langsam im 18. Jahrhundert.

Die tatsächlichen Träger des Handels und Fuhrleute auf den Goldenen Weg und Goldenen Steig, die sog. Säumer, waren meist Bauern, die die Ware gegen Entlohnung auf den Rücken der Pferde transportierten. Manche Bauern standen in Diensten der Großhändler, andere arbeiteten eigenverantwortlich.

Bedeutung der Šumava-Handelswege

Die alten Šumava-Steige waren nicht nur für den Handel bedeutend. Sie spielten vor allem auch eine unersetzliche Rolle bei der Übertragung von Ideen und beim Austausch kultureller Werte. Die Erinnerung an die alten Šumava-Steige belebt heute das Bemühen die freundschaftlichen Nachbarschaftskontakte auf beiden Seiten der Grenze zu erneuern.