10 – Infozentrum Modrava

Die Glasbläsereien im Böhmerwald haben eine lange Tradition. Der erste Glasbläser, der uns bekannt ist, war Kadolt aus Nýrsko, welcher aber in Prag im 14. Jahrhundert verweilte. Die Glasbläser kamen wahrscheinlich aus Bayern. nach Tschechien. Böhmerwald bot alles, was sie brauchten: Holz, Quarz, Kalkstein und Wasser. Sie hatten zwar genügend Holz zur Pottache-Herstellung, manchmal verbrauchten sie aber alles in der näheren Umgebung und so war es praktischer die Glasbläserei näher am Wald auszubauen. Darum haben mehrere Glasbläsereien, obwohl sie den gleichen Namen haben, mehrere Stellen im Böhmerwald. Zur Herstellung von 1 Kg Pottache brauchte man vielleicht eine bis zwei Tonnen an Holz. Dieses wurde verbrannt und durch Ziehen entstand die Pottache. Wollte der Glasbläser eine Saubere haben, brannte er sie noch im Kalzinierungsofen. Pottache fügte man in den Glasstamm hinzu, um die Temperatur vom Glassand zu senken. Durch die Pottachezugabe sank die Temperatur um die Hälfte auf annehmbare 1200 °C. 100 Kg Glasstamm hätte bis zu 25 kg Pottache erhalten können. Quarz zerkleinerte man in s. g. „Puchr“ zum Glassand. Zuerst wurden die Quarzsteine aber im Ofen erhitzt und nachher ins kalte Wasser geworfen, wo sie barsten. Erst nachher wurden sie vom Hämmern oder beschlagenen Säulen zu feinem Sand zerkleinert. Das ursprüngliche Böhmerwalder Glas wurde ins Grüne gefärbt, mann nannte es „Waldglas“. Die Färbung wurde durch das Eisen im Glas verursacht, welche die Glasbläser nicht eliminieren konnten. Man fügte den Kalkstein in das s. g. Kreideglas hinzu, welches man sehr dickwändig machen konnte und so war es gut zum Schleifen geeignet. Die ältesten Glasbläsereien im Gebiet Modravsko standen in Svojší oder Podlesí. Der Dorfgründer und Untervermieter der Burg Kašperk, Petr Zmrzlík aus Svojšín, betrieb hier die Hüttenwerke spätestens im Jahre 1452. Die nächsten Glasbläsereien waren die Betriebe in Antigelhof oder in Filipova Hu.

Die Glasbläser waren freie und interessante Menschen. Der Neuerner Lehrer und Regionalhistoriker Josef Blau schrieb, dass die Glasbläser ein sehr leichtsinniges Volk waren, das lustig war und ein sorgenfreies Leben, von Tag zu Tag, oftmals von Hand in den Mund, führte. Was sie an einem Tag für die Arbeit des ganzen Lohnzeitabschnittes (d. h. meistens 14 Tage) bekamen, verschwendeten sie in der gleichen Zeit und manchmal sogar früher. Der Historiker Bedøich Štiess kommentiert, dass es nicht nur die Folge von so einem unordentlichen Leben war, wo die harte und anstrengende Arbeit mit kurzen Pausen bis zu 20 Stunden pro Tag dauerte, aber auch die Entfernung der Arbeisplätze. Eine bedeutende Auswirkung war auch die Bestrebung der Herrschaft die Glasbläser dazu zu bewegen, möglichst viel Herrschaftsbier zu trinken.

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