4 – Modrava / Mader – Infozentrum

Die Siedlung Mader ist im Jahre 1757 im Rahmen der „Holzfällerkolonisationwelle“ Böhmerwalds, wie zum Beispiel „Prášily“ oder „Vchynice-Tetov“, entstanden. Schon zwanzig Jahre früher existierte hier aber höchstwahrscheinlich eine kleinere Angelsiedlung. Seit 1804 war Mader eines der fünf Forstrevierzentren, auf welche die Schwarzenberger Herrschaft aufgeteilt war. Im Jahre 1826 kaufte der Unternehmer Franz Bienert (1788–1866), gebürtig aus Varnsdorf, von Jakub Gruber eine Mühle, welche er in ein Sägewerk umbaute. Die Aufgabe des Sägewerks war die Resonanzholzverarbeitung. Das Resonanzholz verlangte einen spezielle Auswahl und Verarbeitungsweise. Es wurden gleichmäßig gewachsene Fichtenstämme mit hohem Nadelanteil ausgewählt, die nachher in Fadenrichtung gespalten oder gesägt wurden. Daraufhin wurde von dem Holz, durch das Eintauchen im Wasser und das Abtrocknen in der Luft, das überschüssige Harz extrahiert. Das Holz wurde im Winter abgeholzt und gespalten. Im Frühling weichte man es mehrere Wochen ein. Es wurde getrocknet und auf die Herstellungsmaterialien von Saiteninstrumenten gespalten oder es wurden die Platten für die Klavierherstellung geschnitten. Nachher weichte man das Material noch einmal ungefähr vier Wochen lang ein. Nachher trocknete und bleichte man es in der Sonne. Das bearbeitete Zwischenprodukt wurde dann nach ganz Europa und Amerika exportiert. Im Jahre 1832 bekam Bienert ein Kaiserprivileg für eine exklusive Schall-Holzherstellung und das für 10 Jahre. Zusätzlich erlangte er ein Privileg für ein verbessertes Arbeitsverfahren und ein weiteres Privileg zur Spanholzherstellung. Der anfängliche Holzverbrauch betrug 500 Vollmeter und erreichte in späteren Jahren circa 1000 Vollmeter jährlich. Im Jahre 1855 errichtete Bienert einen weiteren ähnlichen Betrieb in der Stadt Stožec. In Mader beschäftigte er in dieser Zeit in dem Sägewerk und im Wald 50 bis 100 Leute. Das Privileg wurde dann alle zwei Jahre bis zu seinem Tod erneuert. Danach übernahm die Unternehmensführung seine Frau. Jedoch sank der Ausschuss aufgrund der großen Konkurrenz. Der Baumbruch, der im Jahre 1870 viele alte Baumbestände zerstörte, verursachte den zunehmenden Import von Resonanzholz aus anderen Gegenden. Die Witwe verkaufte Schwarzenberg das Sägewerk im Jahre 1871, welcher dieses liquidierte. 1880 wurde das Unternehmen nach Stožec verlegt. Heutzutage gibt es nur noch eine Abteilung für die Bewahrung und das Trocknen des hergestellten Materials. Diese beherbergt eine Erholungsanlage.
Ein anderes Böhmerwalder Sägewerk zur Resonanzholzverarbeitung befand sich in Kvilda. Dieses wurde von Bienert schon seit 1820 betrieben. Abgesehen von dieser spezifischen Holzverarbeitungsform, fand das Holz auch andere Nutzungsarten – im Böhmerwald entstanden mehrere Papierfabriken, in Sušice eine Streichholzfabrik. Die Wurzeln der Streichhölzer aus Sušice reichen bis nach Wien. In dieser Stadt stellte der Apotheker Štìpán Römer eine neu entdeckte Phosphorsorte her. Die Brennmischung wurde im Apothekenlabor von Römers Frau im Beisein von Marie Urbancová vorbereitet. Mit der Hölzchenvorbereitung half Vojtìch Scheinost, ein Tischlergeselle aus Sušice, welcher nach Wien auswanderte. Er verliebte sich in Marie und beschloss mit ihr nach Sušice zurückzukehren. Hier setzten sie die Streichholzherstellung fort. Das Unternehmen aus Sušice starteten sie in einem ausgebrannten Haus auf dem Marktplatz. Die Streichholzherstellung wurde dem Scheinost von der Stadt Sušice am 31. Oktober 1839 erlaubt. Der Anfang war hart. Das Ehepaar arbeitete bis zu zwanzig Stunden am Tag. Die Produkte verkauften sie dann auf Festen oder Märkten. Die Nachfrage wuchs schnell, weshalb Scheinost neue Mitarbeiter einstellte. Es arbeiteten hier ganze Familien. Den Quellen zufolge startete Scheinost spätestens im Jahre 1842, sehr wahrscheinlich aber schon ein Jahr früher, eine Kooperation mit dem lokalen jüdischen Händler Bernard Fürth. Dieser kaufte das Unternehmen bald. Scheinost arbeitete weiter als angestellter Produktionsdirektor. Die Stadt genehmigte die Streichholzproduktion erneut im Jahre 1843. Die Arbeitsbedingungen waren nicht ideal. Das Gehalt war nicht nicht sonderlich hoch, lange Schichten und auch für die oben genannte Kinderarbeit waren nichts Außergewöhnliches zu der Zeit. Die Streichholznachfrage stieg weiter steil an und die Kapazität der Produktion reichte nicht mehr aus. Deswegen verteilten sich die verschiedenen Produktionsphasen in der Stadt – in der ehemaligen Kneipe in „Ráj“ (Paradise) wurde die Verwaltung angesiedelt, der Holzdrath wurde im Saal hergestellt, im Flur und auf dem Dachboden wurde der Draht in die Bunde verbunden, in einem weiteren Zimmer war das Labor, in der Küche wurden die Hölzchen geschwefelt und in der Scheune wurde das Holz zusammengelegt. Anderswo wurden die Schachteln produziert, woanders gab es die Materiallager, woanders wurde der Phosphor produziert. Die fertiggestellten Erzeugnisse wurden in Fürth im Haus Nr. 130 gelagert. Es war deshalb notwendig eine eigene Produktionsfabrik aufzubauen, was im Jahre 1844 geschah. In dem neuen Gebäude waren 244 Leute angestellt, drei Jahre später waren es schon 350 Leute. Um für die Mitarbeiter ausreichend Platz zu haben, wurde die Fabrik um einen weiteren Flügel erweitert. Die Streichholzer aus Sušice gelangten bald zu Ruhm und wurden so zum Stolz der Stadt und das trotz der jüdischen Herkunft von Bernard Fürth. Denn dieser war unter den Einwohnern nicht besonders beliebt. Das Kreis- und Stadtamt unterstützten ihn, da er ein bedeutender Arbeitgeber war. Zur Produktion wurden die lokalen Rohstoffe benutzt, vor allem das Böhmerwalder Holz. Die Streichholzfabrik in Sušice fing dann an, eigenen Phosphor zu produzieren und musste diesen nicht mehr auf komplizierte und teure Weise aus dem Ausland importieren. Das führte zum einem niedrigen Preis des fertigen Produktes und gleichzeitig zu einem noch größeren Absatz und das nicht nur in Tschechien, sondern auch im ganzen Europa und Übersee. Vojtìch Scheinost hatte eine Vorliebe für Innovationen. Er selbst entwarf zahlreiche Maschinen, die die Produktion beschleunigten und sie so effektiv machten. Zum Beispiel das Rundstreichholzschachtelproduktionsgerät oder das Gerät zum Einweichen von Hölzchen in den Brennstoff. Dies musste man früher manuell machen. Mit der Zeit kamen andere, kompliziertere Geräte in Gebrauch. Bernard Fürth starb im Jahre 1849. Sein Name erhielt sich als Marke auch dann, als das Unternehmen sein Sohn Daniel und nachher die Enkelkinder Bernards, Ernst und Bernard, übernahmen. Vojtìch Scheinost ging im Jahre 1865 aus dem Unternehmen weg und gründete in Sušice eine eigene Streichholzfabrik. Diese war nicht unerfolgreich, aber den Bekanntheitsgrad des Unternehmens von Fürth hatte sie nicht. Nach dem Tod von Scheinost, am 10. März 1894 bestand das Unternehmen unter der Leitung der Söhne Ferdinand und František, weiter fort. Die neue Firma von Scheinost war nicht das einzige Unternehmen, das sich neben Fürths Fabrik, der Streichholzherstellung widmete. Es gab mehrere Streichholzunternehmen, zum Beispiel in Dlouhá Ves, Kvilda, Strašín oder in Nová Hu. Die bekanntesten waren die zwei Streichholzunternehmen in Bergreichenstein. Eines der Unternehmen, das zwischen den Jahren 1872 und 1902 produzierte, besaß ebenfalls Bernard Fürth. Man kann sagen, es handelte sich um eine Filiale der großen Streichholzfabrik in Sušice.

Die zweite Streichholzfabrik gründete H. J. Simlick im Jahre 1873 in „Amálino Údolí“ unter Bergreichenstein. Später übernahm der Händler Nathan Bloch aus „Hartmanice“ das Unternehmen. Manche Komponenten, die zur Herstellung nötig waren, wie zum Beispiel die Schachtel oder das Holzdrath, welcher dann weiter auf kleinere Stücke gekniffen wurde, wurden auch in den Böhmerwalder Hütten hergestellt. Von dort wurden die Komponenten von den Vertretern der Streichholzunternehmen gekauft. Im Jahre 1903 wurden beiden Streichholzfabriken in Sušice, ebenfalls wie viele andere in der Habsburger Monarchie, in den Österreichischen Konzern SOLO eingegliedert. Leider sank in dieser Zeit der Absatz wegen der schwedischen und japanischen Konkurrenz in manchen Regionen, wohin die Böhmerwalder Streichhölzer exportiert wurden. Wegen der Überproduktion sank der Streichholzpreis auf dem Inlandshandel. Erst wieder in der Nachkriegsära verbesserte sich die wirtschaftliche Situation der Streichholzproduzenten in der Tschechoslovakei. In dieser Zeit war der Besitzer des Werks SOLO dei Vereinigte Tschechoslovakische Streichholzfabriken und „Luèební závody Praha“ (genau am 1. Januar 1921). Der Erfolg war aber nicht von Dauer. Aufgrund der Weltwirtschaftskrise sank in den Jahren 1929 bis 1936 insbesondere der Streichholzverbrauch im Ausland. 1931 wurde die Herstellung von Streichhölzern zudem mit der Streichholzsteuer belastet. Die kleinere von den zwei Streichholzfabriken, die von Vojtìch Scheinost gegründet wurde, ist nach dem Ausstieg aus der Fürther Firma am 11. März 1932 geschlossen worden. Diese Fabrik wurde vom Unternehmen SOLO umgebaut, und im August des folgenden Jahres wurde dort die Papierbecher-, Dosen- und Acetonzelluloseverpackungsproduktion und noch viele andere Verpackungsmaterialien für Einwegnutzungen, in Betrieb genommen. Am Anfang arbeiteten dort nur wenige Angestellte, aber die Nachfrage wuchs schnell und seit 1938 fand dort die Arbeit von mehr als 400 Personen statt. Während des Krieges stand das Unternehmen unter dem Verein für Chemie-, und Hüttenherstellung. Nach dem Krieg wurde sie sogar ganz angehalten. Daraufhin fungierte in dieser Fabrik die Automobilreparaturwerkstatt für die Wehrmacht. Nach dem Krieg wurde die Papierverpackungsherstellung erneuert und ist bis heute tätig. Aber zurück zur Streichholzproduktion. Eine noch schlechtere Auswirkung, als die vorher genannte Krise, hatte der zweite Weltkrieg auf die Streichholzproduktion. Die Rohstoffe waren von minderer Qualität, der Auslandsmarkt war geschlossen.
Vor dem Kriegsende war sogar die Produktion stillgelegt. Nach dem Kriegsende, Ende Mai 1945, bestand die Produktion erneut und es kam zur Entstehung vom Staatsunternehmen „SOLO Sušice“. Die Streichhölzer aus Sušice erwarben langsam aber sicher ihren Platz auf dem Auslandsmarkt zurück. Neben den Streichhölzern startete 1951 auch langsam die Herstellung der Holzfaserplatten aus den Holzresten der Streichholzherstellung und den umliegenden Sägewerken. Die Produktionslinie musste modernisiert und vermutlich so viel wie möglich automatisiert werden. Deswegen ging das Unternehmen im Jahre 1969 ein. 1980 kam es zur Umstellung der Holzschachtelgeräte. Diese wurden aber im Juli 1984 durch die Papierschachteln ersetzt. Zum Ende des Jahres 2008 wurde die Streichholzproduktion in Sušice völlig beendet und nach Indien verlegt.

Nach dem Exkurs in die Streichholzherstellung, die man, im Kontext der Böhmerwalder Holzverarbeitung, nicht vergessen darf zu erwähnen, lassen Sie uns einmal zurück in die wilderen Teile des Böhmerwalds gehen. Die Streichholzfabriken, Sägewerke und verschiedene andere Betriebe, welche sich mit der Holzverarbeitung beschäftigten, stellten auch die einheimische Bevölkerung als Arbeitskräfte ein. Die Einwohner widmeten sich der Holzverarbeitung am Feierabend oder in der Zeit, wo es im Wald oder auf dem Feld nicht so viel Arbeit gab. Üblicherweise handelte sich um nichts schwieriges – man stellte Holzdachschindel, Rinne, Schüsseln und andere Gefäße, Kochlöffel, Rührlöffel, Teigrollen, Holzschuhe, Jalousiebretter her... Häuslich stellte man durch das Hobeln auch den sogenannten Holzdraht her. Man kann, im Grunde genommen, auch lange Speile sagen. Durch das Zerhacken von diesen wurden nachher die Streichholzer hergestellt. Ein weiteres Hobelprodukt war zum Beispiel die so genannte Holzwolle. Diese benutzte man zum Glassverpacken. So wurde dessen Beschädigung innerhalb des Transports verhindert. Das Holz war auf dem Land eigentlich die ganze Zeit das vielseitigste Material, wenn sich die Böhmerwald-Bewohner mehr oder weniger auf die alleinverdienende Lebensweise verlassen mussten. Es war billig, leicht verfügbar und bis zu einem gewissen Maß war jeder fähig es selbst zu verarbeiten. Die Mehrheit der Böhmerwalder Häuser war aus Holz , bzw. handelte sich um Holzhäuser mit einem Steinsockel. Das Dach wurde von den Holzdachschindeln bedeckt. Das Zimmermobiliar (Tische, Stühle, Truhen usw.) war auch vollständig aus Holz, ebenfalls die Mehrheit der landwirtschaftlichen Werkzeuge. Man ackerte mithilfe des Holzpflugs mit dem Metalhackenpflug. Man schleppte alles durch die Holztore. Aus dem Holz wurden die Harken, die Dreschflegel oder die Kornschaufeln fertiggestellt. Eine sehr spezifische Holzanwendung waren so die sogenannten Totenbretter. Sie stellen einen Ritualbeispiel dar, welches seine Wurzeln aus der Alltagspraxis hat.

Die Bergwinter waren hart. Das bedeutete, dass der Boden gefroren war und so war es in manchen Monaten dieser Zeiträume nicht möglich die Leute zu begraben. Noch dazu war der Friedhof oftmals weit weg von manchen Einöden oder kleineren Siedlungen. Was konnte man also mit dem Körper des Verstorbenen, im Falle er stürbe zu Hause in der Winterperiode, machen? Fast jeder Hof hatte eine Scheune mit einem Brettvorrat. Geschah in der Familie so ein unheilvolles Ereigniss, wurde ein Brett augewählt und mit drei Kreuzchen bezeichnet. Den Verstorbenen legte man in der Scheune darauf. Nach der Beerdigung wurde das Brett herausgeschnitten, bzw. bemalt und mit dem Namen des Verstorbenen gekennzeichnet. In den reicheren Höfen, die eine eigene Kapelle hatten, wurde das Totenbrett hinein gegeben. In der Mehrheit der Fälle wurden die Totenbretter an die Wege gestellt, vor allem an den Kreuzungen oder beim Gottesmarter.

Aber zurück zur Holzverarbeitung. Die ganze Böhmerwalder Fläche ist faktisch schon seit eh und je vom dichten Wald bedeckt: ein so genannter „Königsforst“. Er bildete eine natürliche Barriere zwischen dem Tschechischen Königreich und Bayern. Am Anfang diente er als ein Platz zum Jagen und Bäume holzte man nur sporadisch ab. Das Holz wurde auschließlich für den lokalen Verbrauch bestimmt. Ein größeres Abholzung-Maß kam in dem Zusammenhang vom Bedürfnis nach neuen Wirtschaftsfeldern. Mit der Städte –Entwicklung und –Industrie, zum Beispiel Metallurgie oder Glasindustrie, steigte überall der Holzbedarf und seine Förderung bekam so die wichtigste Sphäre der Böhmerwalder Industrie. Die Holzförderung (deren Intensiventwicklung nach dem Kauf des „Prašil – Siedlung“ im Jahre 1799 durch die Schwarzenberger erfolgte, fand vor allem im Herbst, ab September, bis November statt. Im Winter wurde das geförderte Holz aus dem Wald wegtransportiert, im Sommer und im Frühling widmeten sich die Waldarbeiter leichteren Arbeiten wie zum Beispiel der Astenverarbeitung oder der Neubaum-Einpflanzung. Eine Ausnahme bildeten die Katastrophen in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts. In dieser Zeit musste man die gestürtzten und beschädigten Bäume so schnell wie möglich verarbeiten – deswegen produzierte man das ganze Jahr. Das Böhmerwalder Holz wurde durch den Schwarzenberger Schifffahrtskanal aus dem Jahre 1793 vewendet. In die Richtung nach Prag fuhr das Holz dank dem Vchynicko-tetovský Schifffahrtskanal aus den Jahren 1799 bis 1801. Davon können Sie an weiteren Wegestationen mehr erfahren. Zu den Schifffahrtskanälen wurde das Holz üblicherweise auf den Schlitten gefahren, nur selten wurde es auf dem Boden gezogen. Ein Schlitten konnten bis zu 3m3 Holz transportieren, er war ungefähr 3 Meter lang und der Holzfäller fuhr ihn von vorne. Er war selbstverständlich schwer und konnte sehr schnell gefahren werden, was in der unübersichtlichen Waldlandschaft mehrere Holzfällerleben kostete. Die Folge des Förderungsanstiegs war in der Region der Zuwachs an Arbeitskräften. Die Holzfäller kamen sowohl aus den anderen Teilen des Schwarzenberger Landbesitzes, als auch von der deutschen Seite des Böhmerwalds – aus dem Passauer Land. Entweder sie bewohnten bereits existierende Dörfer, oder sie gründeten neue Kolonien, vor allem in der Nähe der neuausgebauten Kanäle. In bis dahin unbesiedelten Teilen des Waldes entstanden Siedlungen. Die Herrschaft gab sich die Mühe den neuangekommenen Siedlern die Situation zu vereinfachen – die Baustoffe und Grundstücke bekamen sie entweder zur provisorischen Nutzung oder es wurde ihnen die dreijährige Rate ermöglicht. Die Siedlungen bis auf einige Ausnahmen (z. B. „Dlouhá Ves“) entstanden durch die Selbsthilfe, meistens waren sie aus Holz oder aus Holz mit einem Steinsockel. Die Ausrüstung von so einer Wohnung war auch nicht besonders teuer. Seit dem Antritt der Schwarzenberger im 19. Jahrhunderts vervielfachte sich die Holzförderung im Vergleich mit dem vorherigen Stand. Als Folge kam es bald zur Ressourcenerschöpfung (Das Samenjahr von Bäumen war einmal pro 6 bis 8 Jahren, den Samen musste man dewegen von wo anders erwerben). An manchen Plätzen überdauerte die Glassherstellung. Der Holzverbrauch für die Pottasche-Herstellung und für den Ofenlauf war dabei sehr groß und erschöpfte die Region weiter. Als der Fürst Jan Adolf II. von Schwarzenberg seinen Landbesitz im Jahre 1844 besuchte, beobachtete er mit Schrecken die erschöpfte Landschaft voll von unbewaldeten Flächen. Er tauschte deswegen den Oberforstmann, der für den Zustand verantwortlich war und beauftragte seinen Nachfolger mit dem Waldwiederaufbau. Diese Tat erfordete die Senkung der Umfangförderung sowie ihre konsequente Beobachtung. Alle Pläne für eine haltbare Waldwirtschaft wurden durch die Katastrophenwellen, die die Böhmerwalder Wälder betrafen, zerstört. Zuerst handelte es sich zwischen den Jahren 1868 und 1870 um Windkatastrophen, daraufhin erfolgten die Borkenkäferkatastrophen. Der Borkenkäfer verbreitete sich in der Fichtenmonokultur einfach und schnell. Die erste der Naturkatastrophen fing mit dem starken Wind an, welcher durch den Böhmerwald am 7. Dezember 1868, ungefähr von 9 Uhr Vormittags bis 6 Uhr Nachmittags, durchjagte. Neben den umgestürzten Bäumen beschädigte der Wind auch viele Böhmerwalder Häuser, die oftmal aus Holz gemacht und mit Schindeldächern bedeckt waren. Eine andere Sturmwelle kam desselben Jahres am Weihnachten. Nicht mal zwei Jahre später, in der Nacht vom 26. auf den 27. Oktober 1870, kam eine ähnliche Katastrophe. Durch die riesige Menge des liegenden Holzes, das nicht frühzeitig verarbeitet war, verbreitete sich der Fichtenborkenkäfer, folglich als der Borkenkäfer schlechthin. Die erste große Borkenkäferwelle kam im Jahre 1972. Noch größere Folgen ließ der Borkenkäfer zwischen den Jahren 1784 und 1875 nach. Die einzige Art den Borkenkäfer zu entfernen war die Baumrindeverbrennung der angesteckten Bäume. Karel Klostermann beschreibt diese Naturkatastrophenperiode in seinen Werken immer wieder. Zum Beispiel in Erzählung „Borkenkäfer oder auch die Käferzeit“, oder im Roman „Die Erben des Böhmerwald-Paradieses“, der das alltägliche Böhmerwalder Leben voller harter Arbeit, aber gleichzeitig auch den Wohlstand, der in die Region die Liquidation mitbrachte, ausmalt:

„Schmausten, tranken. Der Raum füllte eine große Stube aus, er reizte beißend die Augen an; anders als sie gewöhnt waren! Wörte hier, wörte her, laute, lebhafte Wörter. Es ging ihnen hervorragend. Blutig schufteten sie zwar, schwere, mühselige Arbeit; im Winter froren sie, sie kämpften mit den Regenstürmen, welche je weiter die Wälder ausdünnten, umso grusseliger tobten sie an den hohen, überall offenen Gefilden. Brannten sie sich Im Sommer an der Sonne; sie rannten über Köpfe ihres schrecklichen Böhmerwalder Sturmes, tobte ein Blitz, ratterte der Donner, es goss in Strömen vom Himmel, die Strömen veränderten hergerichtete Sträßchen und Wege in bodenlosen schwarzen Schlamm, tückischer als die umliegenden Sümpfe, in welchen die ganzen Generationen der eingegangenen Bäume faulen und verwesen;halsbrecherische Wege runter zum Wasser, wo die Prahme zusammengebunden waren, hier segelten die Scheite, wurden alle Weile vom Wasser ausgehöhlt so dass die Gefährte bloße Steine herunterfuhren. Fallende Gewässer fließen in mächtige Wildbäche, welche den Hangboden abschwämmten, ja sogar nicht nur den Boden, aber auch die Steinhaufen, große Felsblöcke, sie entwurzelten die Bäume und schwemmten alles auf die Straßen, die Arbeit kam nicht zum Ende, bis sich diese nicht wieder herrichteten. Und trotzdem ging es ihnen hervorragend und sie meckerten nicht: es wurde so viel Geld verdient, dass die Jämmerlinge meinten, der ganze Reichtum des Landes käme zu ihnen. Da waren die Sonntage, Feiertage und Feste erst lustig! Man konnte mit vollen Händen verschwenden, und man tat es auch! Die Musikanten, Schankwirte, Händler aller Art, sie alle lebten für sich selbst, sie alle verdienten, sehnten sich und jubelten. Und der Pomp bei den Frauen, wer hätte das gedacht! Stoffe ohnegleichen fanden den Weg hierher, ein Prachtstück aller Art, prächtiger aber auch falscher – es war gleich für solche Kunden und Kundinnen, jedes Schmuckstück war ein echter, zu mindestens für jeden, der für den echten bezahlte. Und die Paterherren bekamen die Stolen, von welchen sie vorher nicht mal träumten, insbesonders für die Taufen und Hochzeiten; und beides hatte eine einzigartige Kraft. Taufen gab es besonders viele ,sie übertrumpften sogar die Hochzeiten. Sie mochten sich, nachher heirateten sie, und wenn der Liebling nicht mehr wollte, heirateten sie nicht, d. h. er heiratete sie nicht, weil er nicht genug Geld hatte, um zu bezahlen. Nachher kam vielleicht ein Anderer und heiratete das Mädchen, weil er das Geld hatte. Er schaute auf die Vergangenheit mit einem Philosophenauge, das besagt, dass ein Schicksal von der Blüte abzufallen und eine Frucht zu bringen hatte. Und ein solcher ohnegleichen, unerhörter Wohlstand, so ein Leben voll von Arbeit, aber auch der Wollust, brachte ihnen einen kleinen Käfer, ein echter Goldkäfer, ein gesegnetes Tier, das den Böhmerwald verwandelte, den die Gelehrten als Borkenkäfer benannten!“

„In den Wäldern arbeitete man ständig. Es gab dort eine gepreiste Stille, eine Grabruhe; Die Holzmengen aller Gestalten, Balken, Klötze, Scheite wurden von den Gewässern entführt, nahmen kein Ende. Überall an den Bächen, noch so kleine,baute man Behälter, damit die Bäche künstlich anschwellen konnten; Die Scheite wurden auf diesen Gewässern geflößt, sogar große Balken vertrauten sich ihnen an – die welche mit dem traurigen Strom sausten, die Ufer reißend und den Boden umgrabend. Derselbe Verdienst immer; Beneidenswerte Einwohner Böhmerwalds am Geldertrinken nahe. Kleine und größere Personen, jeder Einzelne nach seinen Umständen,, die Bauer auch Hüttenleute, Waldarbeiter, Unterarten, Familien, alle beteiligten sich an diesem wunderbaren Wohlstand, und der süße Käfer, welcher in dem Jahr zweimal so viel schwärmte, eine Garantie sicherte, dass solche gesegnete Zeiten auch weiterhin dauern werden.“

„Keine Feder beschreibt, wie groß die Ungeduld entgegen dem Moment war, wenn der wahre Winter vorbei geht, wenn der Schnee stehen bleibt, wenn die beweglichen Schlamme unter der Frostwirkung erstarren. So viel Arbeit wird es geben, so viel Verdienst! – Gerade aus jenen Plätzen, wo der Borkenkäfer am schlimmsten tobte, wo es am meisten Holz gab, war es nicht möglich von ihm im Sommer wegzufahren: Gerade dort wurden die liegenden Holzgewächse von der Fäule und dem Verfall bedroht. Sie wussten ganz genau, dass die Plätze ohne Nummer solche sind, die nicht mal im Winter mit ihren Kleinwägen zugänglich sind, wo das Vieh in bodenlosen, vom weißen Gewand bezogenen Abgründen und kühlen Tiefen hingefallen wäre; welches für die Leute, die Zieh- und Abräumarbeit ausüben würden, wenn es das schafft. Dort wo es, wegen den steilen Abhängen, Schluchten, Buschwerken und die Unbegehbarkeit des Plätzes, nicht möglich ist die ganzen Balken herauszuziehen, dort werden so viele Scheite gefördet, wenn das nicht bereits gemacht wurde, man arbeitet die Fichten heraus, man wird mit dessen Hilfe das Holz runter zu den Wassertälern fahren, damit das Holz bis in die niedrig-liegenden Orte fahren kann, sobald der auftauende Schnee diese vollfüllt; auch die Balken werden bis zu Sägewerken gefloßen, von welchen sich eine große Menge aufbauen wird. Das alles wird eine Menge von fleißigen Händen brauchen und die Arbeit wird immer besser bezahlt. Es wird eine harte, mühselige Arbeit sein, voll vom Schrecken und der Gefahr, aber das mochten sie, für so eine Arbeit waren sie geboren; Nur wenn es den Verdienst gab! – Sie teilten die Arbeit zwischen sich auf: wer die Hände hatte, geht in den Wald das Holz fördern, wer einen Kleinwagen hatte, fuhr das Holz ein und nachher fuhren die in den Sägewerken gesägten Bretter entweder in die Städte hin, oder zum Fluss, wo die Flöße verbunden werden. Alle waren von den Mengen gefesselt durch die Gedanken und Hoffnungen, dass sie die Wirtschaftsarbeit fast vergaßen, abtuend sie oberflächlig, eilig, schlampig.
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Die Schadenliquidation bedeutete eine Menge harter Arbeit und brachte in die Region viele neue Arbeiter, oftmals sogar aus „Solnohradsko“, Tyroll oder sogar aus Italien. Gleichzeitig bedeutete die größere Arbeitsmenge auch größere Belohnungen und die Katastrophen bedeuteten in der Region paradoxerweise eine Lebensqualitätsteigerung. Das hielt aber nicht für lange Zeit. Nach der Holzverarbeitung, kam es zur Erhöhung der Arbeitslosigkeit. Das wurde noch durch die Ankunft der auswärtigen Arbeitskräfte in die Region sowie durch die lange Zeit der Landschafterholung verstärkt. Die dramatischen politischen Ereignisse auf internationaler Ebene in der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert brachten dem Böhmerwald andere Komplikationen. Die beiden Weltkriege, Aussiedlung der Deutschen Einwohner, welche diese Regionen mehrere Jahrhunderte bewohnten und eine bedeutende Anzahl der Alteingesessenen, der Eiserne Vorhang und die Grenzraum-Einführung veränderten das Grenzlandgebiet Böhmerwalds wirklich markant.

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