1 – Bergreichenstein in der Zeit des Goldsteigs und Goldweges

Die Stadt Bergreichenstein gehörte im Mittelalter zu den bedeutendsten Bergbaustädten in Böhmen. In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts ging man hier vom Goldwaschen zur tiefen Goldförderung über. Der Salzhandel zwischen Böhmen und dem Salzumschlagsplatz in Passau verbreitete sich im Laufe des 14. Jahrhunderts. Damit hing auch die Nachfrage nach luxuriösem Gut aus dem Donau-Gebiet und Südeuropa zusammen. Der tschechische König und Römer Kaiser Karel IV. entschied sich deswegen 1356 die Verbindung des tschechischen Königreiches mit den genannten Gebieten zu verbreiten. Er initiierte die Gründung zwei anderer Handelswege im Gebiet des oberen Otava-Gebietes in Richtung auf das bereits gegründete bischöfliche Passau genauso wie auf die neu-gegründete Stadt Grafenau im bayerischen Herzogtum.

Beide Wege fingen in Passau an. Der Goldsteig, bzw. sein dritter Teil führte in Richtung nach Freyung, Mauth, Buèina, Kvilda, H. Kvilda bis nach Bergreichenstein. Seine Konkurrenz – der Goldweg fing ebefalls in Passau an, doch zur tschechischen Grenze zielte er durch das Gebiet des bayerischen Herzogtums, d. h. durch Tittling, Grafenau, den Grenzübergang Blaue Släule, Pürstling, Filipova Hu und Horská Kvilda. In diesem Punkt schloss er sich an die Goldsteigroute an.

Karel IV. erbaute die neue Wachtkönigsburg Kašperk 3 km nördlich der Stadt. Diese sollte das südwestiche Böhmen, genauso wie die Goldgruben bewachen. Sie sicherte auch die Betriebssicherheit an beiden genannten Handelswegen. Noch dazu wurde diese Burg, die nach Karel benannt wurde, zu einer Residenz für die höchste Königsbeamten in der Region.
Kirche des Heiligen Mikuláš, 1. Hälfte des 14. Jahrhunderts
Umgebung, Natur, Persönlichkeiten, Ereignisse

Die Bergreichensteiner Landschaft und ihre Umgebung gehört ohne Zweifel zu den schönsten Gebieten unseres Landes. Das Malerische der hiesigen Landschaft zieht viele Jahre nicht nur Künstler, sondern auch größere Touristenzahlen an, die gerne hierher zurückkehren. Aus geologischer Sicht gehört Bergreichenstein und seine Umgebung zu einem Teil des Tchechischen Massivs, das auch als Moldanubikum bezeichnet wird. Die kristallisierten Schiefer sind die am häufigsten vorkommenden Gesteine. Diese wurden mit der Zeit zum Gneis, bzw. Glimmerschiefer.

Das Gold wurde hier bereits von den Kelten gewaschen. Dies beweisen die goldenen keltischen Münzen, die im Jahre 1891 gefunden wurden. Das Gold wurde hier bis Anfang 14. Jahrhundert gewaschen, nachher ging man zur tiefen Förderung über. In dieser Zeit hätte die Stadt Bergreichenstein bereits lange existieren müssen. Im Jahre 1345 halfen angeblich 600 Bergreichensteiner Bergmänner Jan Lucemburský, die erfolgreich die Ringmauer der befestigten Stadt untergruben, als sie bei der Eroberung der schlesischen Stadt Landeshut (heute Kamienna Góra) mitmachten. Jan Lucemburský erteilte dafür der Stadt Bergreichenstein städtische Priviligien und das Recht auf Nutzung des Stadtsiegels.
Archeologische Forschung am Marktplatz in Bergreichenstein, 2010
Nach dem Goldsteig- und Goldwegverfall

Als im Laufe des 17. Jahrhunderts der Goldertrag in hiesigen Gruben sank, wurde genauso der Handel an dem Goldsteig und Goldweg dünner. Die obere Königsstadt orientierte sich seit 1572 auf die Glasbläserei- und Forstwesensentwicklung, Holzverarbeitung und das Hirtentum. Im Laufe des 19. Jahrhunderts fingen hier die Fabriken zur Herstellung von s. g. Holz- und später auch Jalousiedrähten an. Man stellte hier auch Streichholzer und Kinderwagen, Karren und Roller her. Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts unterstützte die Stadt die Entwicklung von Fach- und mittlerer Reifeschulbildung. Es entstand hier z. B. die Holzfachmittelschule (Josef Sodomka, bekannter Automobildesigner besuchte sie auch). Die Schulemanzipation erreichte ihren Hochpunkt, als dort das deutsche Realgymnasium im Jahre 1911 (heutige primär-stufige Schule) erbaut wurde.

Neben der ökonomischen Prosperität wurde die Stadtprestige durch die Errichtung vom Gerichtsbezirk Bergreichenstein gesteigert.

Die Stadt und ihre Umgebung wurden später zum Schauplatz eines Romans des bekannten Böhmerwalder Schriftstellers Karel Klostermann.

Im Jahre 1910 lebten hier 2228 Einwohner in 214 Häusern. 2127 davon meldeten sich mit deutscher Staatsangehörigkeit an. Nach dem 2. Weltkrieg wurden die deutschen Einwohner vertrieben. Sie wurden durch die neuen Siedler aus der damaligen Tschechoslowakei und den rumänische Slowaken ersetzt.

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