2 – Eiserner Vorhang

In der zweiten Hälfte im August 1948 kam es in Ferdinandovo údolí in der Nähe von Markt Eisenstein zu einem großen Zusammenstoß von Schmugglern und der Staatsgrenzwache. Alles fing mit einer Anzeige von Zdenìk Kratina aus Alžbìtín am 19. August an, welche er an der Markt Eisensteiner SNB-Station anmeldete und zwar verdächtigte er Josef Michalík, der in Markt Eisenstein aus der Slowakei angesiedelt wurde, und zwei hiesige Deutsche Karel Bruckendorfer und Maxmilian Aschenbrenner, von der Tätigkeit gegen den Staat. Beide zuletzt erwähnten Personen waren bereits vor dem Krieg berühmte hiesige Schmuggler und Josef Michalík half ihnen nach seiner Ankunft erfolgreich dabei. Die Zigaretten und Pferde waren das Hauptschmuggelprodukt, die Pferde fuhren dabei von Böhmen nach Bayern und die Zigaretten umgekehrt. In der Nacht desselben Tages hätte es in der Nähe von Markt Eisenstein auf einem Platz als Amerika benannt zur Übergabe einer weiteren Schmuggelware kommen sollen, deren Abnehmer gerade der angegebene Zdenìk Kratina sein sollte. Damit bleibt der Grund unklar, warum gerade Kratina, der höchstwahrscheinlich bereits vorher die Schmuggelware kaufte, alles an der SNB-Station meldete.

Die Angehörigen der Markt Eisensteiner SNB-Station entschieden sich, das anvisierte Treffen zu überwachen und gegen das Schmuggeln rechtzeitig einzugreifen. Die ganze Dreiergruppe traf sich aber aus unbekannten Gründen nicht. Das andere Treffen hätte zwei Tage später stattfinden sollen. Damit keiner der drei Schmuggler eine Chance zur Flucht hatte, wurde aus Klattau eine Verstärkung der dortigen Staatssicherheitsabteilung herbeigerufen. Der Eingriffsführer war Oberwachtmeister Převrátil. Der kooperierende Kratina gab ein Aktionseröffnungssignal durch absichtliches Stolpern über eine vorbereitete Konserve am Rande des Weges. Alle eingreifenden SNB-Angehörigen und die Staatssicherheit wurden auf die Waffenausrüstung der Schmuggler aufmerksam gemacht und dabei auch informiert, dass die Schmuggler keine Angst hätten sie zu benutzen. Der sorgfältig vorbereitete Plan stockte aber gleich am Anfang. Nur zwei Schmuggler, Karl Bruckendorfer und Maximilian Aschenbrenner kamen zum verabredeten Treffpunkt, noch dazu aus einer unerwarteten Richtung. So gerieten die Schmuggler in der Nacht in die unmittelbare Nähe von Wachtmeister Klíma, einem der SNB-Angehörigen, der den umzingelnden Kreis vorbereitete. Dieser nicht besonders erfahrene und noch dazu durch die Informationen von gefährlichen Gegnern gestresste Neuling entschied sich, sich aufzustellen und seine Dienstlampe in die Richtung, von woher er die Schritte hörte, anzumachen. Im Lichtkegel bemerkte er zwei Personen und rief die Anweisung zu, die Hände hoch zu nehmen. Ein Schuss war die Antwort. Dieser traf den Wachtmeister Klíma in das linke Hüftgelenk. Der verletzte SNB-Angehörige fiel zu Boden. Dabei drückte er unabsichtlich auf den Auslöser seiner Pistole, welche einen Schuss in den Boden, gleich neben seinen Spann, abfeuerte. Danach wurde der Raum mit den vorbereiteten Reflektoren beleuchtet und alle Angehörigen der umzingelnden Einheit fingen an zu schießen. Die Schmuggler waren in dieser Zeit bereits relativ weit weg und verschwanden im Dunkeln nach Bayern. Das Feuer der eingreifenden Staatssicherheitsangehörigen bedrohte zum Schluss nur sie selbst. Die zwei genannten deutschen Schmuggler zeigten sich in ČSR nicht mehr und im Nachbarland verschwand auch Josef Michalík. Der Wachtmeister Klíma wurde für die unprofesionelle Stellung kritisiert, da er seine Position verriet und so die erfolgreiche Festnahme der deutschen Schmuggler verhinderte.

Nicht nur die Regime-Gegner flüchteten über Markt Eisenstein nach Bayern. Am Freitag den 12. November 1948 ging Oldřich Mihola durch den alten Schmugglerweg entlang des Flüsses Řezná über die Grenze. Der ausgebildete StB-Agent mit dem Decknamen „Zmetek“ (Missgeburt) sollte zu den tschechoslowakischen Emigranten vordringen, um Informationen zu beschaffen. Dies gelang ihm. Er bekam sogar das Vertrauen und konnte über Markt Eisenstein als Exilkreisagent gehen. Keiner von den Emigranten hatte eine Ahnung, dass alles unter der Aufsicht der Militär-Berichterstattung der tschechoslowakischen Armee vorging. Dadurch half er mehrere Agenten – „Geher“ zu verhaften. Doch in Deutschland kam es den Berichterstattern langsam komisch vor, dass immer, wenn Oldřich Mihola zurück in der Tschechoslowakei war, es zur Verhaftung oder Entdeckung anderer Kuriere kam. Am 18. Juni 1950 wurde Oldřich Mihola in Bayern verhaftet und durch das amerikanische Militärgericht zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt. 1955 wurde er freigelassen und in die Tschechoslowakei ausgewiesen.

Im Januar 1949 fing im Böhmerwald ein weiterer Schmugglerkanal an zu laufen. Das Mitglied des 10. Budweiser Pfadfindertruppe František Zahrádka wurde zum Menschenschmuggler über die gutbewachte Grenze. Zu diesr Zeit war er nur 18 Jahre alt und machte eine Radiomechaniker-Ausbildung. František Zahrádka wählte diesen Weg, weil er die Böhmerwalder Region von den Pfadfinderlagern und Ausflügen gut kannte. In seiner ersten Gruppe, die er am 19. Januar 1949 durch den Böhmerwald, unter Prachatice, zwischen den Gemeinden Dolní und Horní Cazov nach Bayern führte, war zu seiner großen Überraschung sein jüngerer Bruder Luděk, welcher die Böhmerwalder Wege in Halbschuhen und Kellnerbekleidung durchging und Freund Miroslav Král, der Luděk Zahrádka das Leben rettete, weil er mit ihm bei dem anstrengenden Übergang durch den tiefen Schnee regelmäßig die Schuhe wechselte. František Zahrádka überlegte ursprünglich, zusammen mit der Gruppe zu emigrieren, doch nach dem er seinen Bruder sah, erinnerte er sich an seine Eltern, die sonst in ČSR ohne Kinder bleiben würden. Da entschied er sich zu bleiben. Sie mussten sich während des Übergangs eine kurze Zeit im Gebüsch verstecken, da auch die SNB-Wachen eintrafen. Diese hatten zum Glück keinen Hund dabei. So konnten sie die Grenze erfolgreich überqueren.
Die zweite Gruppe bestand diesmal aus den Pfadfindern aus der Böhmisch-Mährischen Höhe und reiste über den gleichen Weg. Die übertragenen Pfadfinder formierten sich in einer Reihe direkt hinter der Grenze in Bayern und um den erfolgreichen Übergang zu feiern bliesen sie sich den Zapfenstreich. Damit rüttelten sie natürlich die ganze Umgebung wach.

František Zahrádka ging dann unter sehr schweren Bedingungen durch das alarmierte Gebiet zurück. Da entschied er sich für die nächsten Übergänge andere Wege zur Grenze zu nutzen. Er erhielt eine Information darüber, dass ein neuer Militärausbildungsplatz „Dobrá voda“ (Gutes Wasser) vorbereitet wurde – da würde die Bewegung einer fremden Person in einer grünen Uniform nicht auffallen. Die übertragenen Personen reisten mit dem Zug nach Sušice, nachher mit dem Bus nach Rejštejn. Von dort gingen sie nach Norden zu den heute nicht mehr existierenden Gemeinden Stodůlky und Velký Bor und nach dem Durchwaten des Flusses Křemelná zielten sie zum Orientierungspunkt (Hügel Poledník), von da am Grenzprellstein Nr. 16 vorbei, bis nach Deutschland. Im Jahre 1949 gingen mehrere Kriegshelden der Luftwaffe der RAF durch diesen Weg mit der Hilfe von František Zahrádka. Doch bei dem Übergang erfolgte nicht weit weg von der Marschstrecke eine Schießerei zwischen der Grenzwache und höchstwahrscheinlich anderen Flüchtlingen. František Zahrádka musste zusammen mit seiner Gruppe tiefer ins deutsche Gebiet gehen. Zuerst nach Zwiesel. Von dort wurde er nach Straubing geschickt, wo er mehrere Tage verbringen musste. Hier trat er in Kontakt mit dem amerikanischen Nachrichtendienst CIC. Zoltán Vagaš – Offizier dieses Nachrichtendienstes mit tschechoslowakischer Herkunft, überzeugte ihn zur Kooperation. Um Informationen zu sammeln, sollte er Kontakte mit einigen Offizieren der tschechoslowakischen Armee knüpfen. In der Nacht vom 27. auf den 28. Juli 1949 überquerte er die Grenze diesmal in die Gegenrichtung und kehrte nach Budweis zurück. Wie abgesprochen trat er mithilfe seines Bekannten Silvestr Müller, ursprünglich Feldwebel des Budweiser Flugregiments, in Kontakt mit Soldaten, die gegen das Regime waren. Dies gelang ihm – gleich sechs Armee-Offiziere flüchteten in der dritten überführten Gruppe aus ČSR. Auf dem Rückweg hatte er großes Glück, als er auf Wachen mit einem Hund traf. Der Hund kam zu ihm, doch anstatt zu bellen, markierte er ihn nur und kehrte zur Wache zurück. Die Diensthunde wurden nämlich nur auf sich bewegende Personen trainiert – der Menschenschmuggler lag ohne sich zu bewegen im Graben am Weg. František Zahrádka überführte nach Bayern insgesamt elf Leute in vier Gruppen von Januar bis Ende August 1949. Doch die Staatssicherheit bekam Informationen von seiner Tätigkeit. František Zahrádka ahnte dies und hatte vor, selbst zu emigrieren. Seine Ahnung wurde nachher bestätigt, als der Sekretär vom Bischof aus Litoměřice, Dr. Hofírk nicht auf dem abgesprochenen Platz erschien. Am Samstag, den 3. September in der Früh verhaftete ihn die
Staatssicherheit in Budweis. Das Gericht verordnete 20 Jahre Gefängnis für Hochverrat und Spionage. Die Strafe büßte er in den anrüchig bekannten Uranlagern in der Umgebung von Jáchymov und Příbram ab. Im September 1962 wurde er bedingungsweise freigelassen.

Gleich in den ersten Tagen des Jahres 1950 wollten die Schützen der 11. Tankbrigade Svatopluk Vlach und Jaroslav Hobza desertieren und über Špičák-Bergsattel in den Westen flüchten. Ihr Plan war eigentlich ganz einfach. Sie bekamen an Weihnachten 1949 von der Leitung einen Urlaubsschein. Sie fuhren nach Hause, doch sie kehrten zur Armeeeinheit nicht mehr zurück. Svatopluk Vlach hatte falsche Dokumente und eine gefälschte Erlaubnis für den Grenzübertritt. Vlach bekam von seinem Freund, der von dem Plan wusste, aber nicht mitmachte, eine alte Karte der Umgebung von Markt Eisenstein. Am Dienstag den 3. Januar 1950 am Abend fuhren Vlach und Hobza mit dem Zug von Prag in die Station Markt Eisenstein – Špičák los. Sie erreichten die Station am 4. Januar in der Früh. Sie wurden beim Aussteigen von der SNB-Wache kontrolliert, doch die Fälschungen waren so gut, dass sie nicht entdeckt wurden. Das erste Hindernis kam im Hotel, wo sie sich ausruhen wollten. Die Rezeptionistin verlangte eine Aufenthaltserlaubnis, welche Vlach und Hobza natürlich nicht dabei hatten. Sie hörten auf die Ratschläge von der Dame und machten sich zu Fuß auf den Weg nach Markt Eisenstein. Hier wurden sie im Hotel Javor untergebracht. Nachmittags liehen sie sich die Skier aus und machten sich auf den Weg zum Špičak. Als sie zur Erholung und Erwärmung in dem dortigen Restaurant eine Pause machten, wollte ein Angestellter der Waldverwaltung sie kontrollieren. Sie weigerten sich. Der „besorgte“ Bürger machte die SNB-Wache, die gerade vorbeiging, auf sie aufmerksam. Diese verhaftete die beiden Armeedeserteure. So endete ihr einfacher Fluchtplan nach Deutschland. Im April 1950 verurteilte das Gericht Svatopluk Vlach zu 15 Jahren und Jaroslav Hobza zu 17 Jahren Gefängnis. Emil Machač entkam dem Gericht auch nicht und wurde für das Ausleihen der Karte und das Verheimlichen der Emigrationsabsicht seiner zwei „Mitkämpfer“ für 18 Monate ins Gefängnis geschickt.

Am 1. Juli 1950 spielte sich in der Nähe von Markt Eisenstein eine Schießerei zwischen den SNB-Angehörigen (1,5 Jahre-neuen Grenzwachenden) und klassischen Schmugglern ab. Im Vergleich zu den vorherigen, in welchen sich die betrügerischen Personen und Finanzwache maximal mit ein paar Stockstößen oder mit den Fäusten schlugen, endete diese tragisch. Zwei deutsche Schmuggler Ewald Ernst und Franz Linzmayer (stammte aus Hojsova Stráž) traten in die Tschechoslowakei über die „Seewand“. Diese zwei Böhmerwalder Experten wurden von den vertriebenen Deutschen angeworben, um in ihren ursprünglichen Häusern verschiedene Sachen, meistens gut versteckt in findigen Verstecken, abzuholen. Laut späteren Erinnerungen von Ewald Ernst brachten sie häufig die vertriebenen Deutschen illegal zurück in die ČSR, damit sie dort die Verwandten die nicht vertrieben wurden, besuchen konnten. Am Samstag den 1. Juli 1950 gingen sie nur zu zweit und deswegen kann man voraussetzen, dass sie in eines der Böhmerwalder Dörfer für irgendeinen gut versteckten Familienschatz einer deutschen Familie gingen. Bei dem Schwarzen See bemerkten sie die SNB-Wache. Als sie nicht auf das Appel zum anhalten hörten, fing die Wache gegen sie an zu schießen. Die Maschinenpistolenkugel tötete den 32-jährigen Franz Linzmayer. Sei Kollege schaffte es, im Wald zu verschwinden und zurück nach Deutschland zu flüchten. Ewald Ernst ging bei den zukünftigen Reisen allein. Im Herbst des gleichen Jahres wurde er von einer anderen SNB-Wache verhaftet und das genau im Zeitpunkt, wo sie zwei Agenten – Geher überführte. Er ging zusammen mit ihnen ins Gefängnis des Klattauer Gerichtes. Es gelang ihm aber mit anderen fünf Personen auf dem Weg Strážov – Děpoltice – Hojsova Stráž – Špičák hinter die Grenze zu flüchten. Bis heute ist nicht bekannt wie sie das schafften. Ewald Ernst machte sich nie mehr auf den Weg über die Grenze nach den harten Erfahrungen. Die „Ernsts Schneise“ im linken Teil der „Seewand“ erinnert heutzutage an diesen bekannten Schmuggler und ausgezeichneten Ski-Fahrer. Dieser Schmuggler schaffte es auf diesem, für einen normalen Mensch unbegehbaren Weg mit den Skiern runter zu fahren und so der Grenzwache (Finanzwache oder nachher SNB-Angehörige) zu entfliehen. Neben ihm schaffte es laut den überlieferten Legenden nur noch Fritz Hilgart – ein weiterer bekannter Schmuggler auc Hojsova Stráž. Die letzte August-Woche des Jahres 1950 kam es in der Nähe von der heutzutage nicht mehr existierenden Siedlung Nová Hůrka zur Schießerei zwischen der damaligen Grenzwache und den Agenten – Geher. Früh morgens am Mittwoch den 23. August 1950 gingen der junge Wachtmeister Jaroslav Hodboď von dem Grenzgebietsregiment SNB 9600 in Begleitung von den Gefreiten Jaroslav Jasan von der Station in Nové Zhůří auf die Wache gegen die Grenz-Störung (seit April 1950 verstärkten die ausgewählten Kadersoldaten die Basisdienste der Grenzeinheiten von SNB). Das Gebiet, das sie bewachen sollten, hieß Polom (Deckname) und lag westlich von der heutzutage untergegangenen Siedlung Nová Hůrka. Früh nach vier Uhr hörte die Wache Geräusche jemand näherte sich ihrem Standort. Als sich zwei unbekannte Personen auf die Entfernung von circa fünf Metern annäherten, stieg Jaroslav Hodboď und Jaroslav Jasan aus dem Versteck heraus und fordeten sie zum Anhalten und Händeheben auf. Die überraschten Unbekannten, höchstwahrscheinlich Agenten- Geher (laut manchen Historikern aber Emigranten, Schmuggler oder sogar ganz übliche Wilderer) fingen mit dem Feuer an. Beide Wachtmitglieder fielen zu Boden. Die Angreifer stürzten sich auf sie und entwaffneten sie. Verletzter Gefreiter Jaroslav Jasan verlor so seine Maschinenpistole, es gelang ihm aber trotzdem seine Pistole herauszuholen und sich mit ihr zu schützen. Beide unbekannten Personen verschwanden im Frühnebel. Ob sie verletzt waren, stellt man nie mehr fest. Der Gesundheitszustand der Wache war nach dem unerwarteten Zusammenstoß nicht besonders gut. Dem jüngeren Wachtmeister Jaroslav Hodboď wurde in den Bauch geschossen, dem Gefreiten Jaroslav Jasan wurden von sechs Projektilen die Beine niedergeschoßen und in den Bauch geschoßen. Das Schießen löste Alarm aus und es kam Verstärkung in kurzer Zeit zum Platz. Beide Verletzte wurden zum Behandeln weggefahren. Jaroslav Hodboď erlag den Verletzungen am nächsten Tag. Eine halb-jährige Behandlungskur wartete auf Jaroslav Jasan. Nachher beendete er seine Militärpflicht bei einer neu-errichteten Grenzwache in Prášily.

In der Dezember-Hälfte des Jahres 1950 spielte sich bei dem Klattauer Gericht ein Prozess mit der Gruppe der Personen ab, die über die Grenze mit dem nachbarig-liegenden Deutschland die Kommunismus-Gegner in einer Richtung und in der anderen Richtung dann die Agenten-Geher überführten, an welche sie gleichzeitig die Informationen übergaben. Die Mehrheit der 14 Angeklagten machten bereits im Nazi-Widerstand mit und kannten sich bereits viele Jahre. Nach Februar 1948 wurden sie aber vom Verein der Nationalrevolution verwiesen und es folgten weitere Verfolgungen. Leute in der Umgebung von František Wiendel Senior entschieden sich für einen Widerstand. Im April 1949 entschied sich ein weiteres Mitglied der Gruppe, František Wiendl Junior, einer Bitte eines unbekannten Mannes entgegen zu kommen. Dieser besuchte ihm, stellte sich als Schneider vor, bezog sich auf gemeinsame Verwandte und wollte nach Bayern überführt werden. Er führte ihn aber nicht persönlich – er schickte ihn zu seinem Bekannten, Eisenbahner Tauš, der regelmäßig nach Markt Eisenstein – Alžbětín mit der Zuggarnitur fuhr. Er war überrascht, als Schneider zurück kehrte und meinte Tauš würde ihn ablehnen. Wie später František Wiendl von dem Eisenbahner erfuhr, benahm sich Schneider unverantwortlich, er erfüllte die Anweisungen nicht und bedrohte so die Aktion. František Wiendl Junior wählte in einer alten Karte einen Weg über die Grenze aus und entschied sich, die Überführung selbst durchzuführen. Er fuhr mit ihm mit dem Zug bis nach Nýrsko, von dort gingen sie zu Fuß in Richtung Chudenín und zwischen Červený Kříž und Liščí überquerten sie die Staatsgrenze. Im April 1949 flüchtete auch František Mika durch den gleichen Weg nach Bayern. Es folgten weitere Übergänge und František Wiendl Junior nahm seine Freunde und Mitkämpfer aus dem Nazi-Wiederstand Jan Štork, Jan Prantl und MUDr. Jiří Krbec mithinein. Zur Wegbeschleunigung benutzten sie zur Gemeinde Chudení das Motorrad oder das Auto. Diese wurden von Jan Štork und Jan Prantl gefahren. František Wiendl Junior führte den Übergang über die Staatsgrenze aus Chudení nach Jägersdorf auch weiterhin selbst durch. Bei dem vierten Übergang kam es zu einem dramatischen Ereignis, da in der Emigrantengruppe ein kleines Kind war. Die Beruhigungsmedikamente die MUDr. Jiří Krbec besorgte, hörten auf beim Kind zu wirken. Damit der Übergang sicher verlief, war es nootwendig das Kind zu beruhigen. Dies nahm zu viel Zeit weg. František Wiendl kehrte mit dem Licht zurück. Er war in der Nähe von Chudenín, als er von der Wache angehalten wurde. Er nutzte seinen Zutrittsbescheinigungsausweis in das Grenzgebiet und behauptete, er suche dort nach Bauholz für seinen Arbeitgeber. In die Menschenschmugglergruppe tritt auch Alois Sutty hinzu, ein Mann deutscher Staatsangehörigkeit, der sich nach dem Krieg der CIC anschloss. Als Agent-Geher überwand Sutty häufig die Staatsgrenze und mit František Wiendel knüpfte er Kontakt nicht weit weg von Pocinovice. Mit der steigenden Übergangsnummer waren sie sich bewust, dass den Weg ändern mussten. Die Gemeinde Chudenín wurde durch die unweit liegende Hadrava ausgetauscht. Für den Personenumzug in dieses Dorf wurde der Lieferwagen der Klattauer Wäschefirma Joka, wo Jan Prantl arbeitete, benutzt. Alois Sutty sollte die Leute von František Wiendel Junior bei Stříbrný Mlýn (Silbere Mühle) in der Nähe von Nýrsko übernehmen und dort über die Grenze führen. Dies geschah zum ersten Mal problemlos. Keiner von den Beteiligten hatte eine Ahnung, dass die Staatssicherheit (StB) bereits in der Zeit Informationen von ihrer Tätigkeit hatte und eine Falle vorbereitete. Die Ermittler schickten einen Agenten-Provokateur los, der manche Menschenschmuggler kannte, da er während des Krieges in der Region von Klattau in einer Partisanentruppe nicht weit weg von Lukoviště tätig war. Die Falle klappte am 20. November 1949 zu. Zusammen mit einem StB-Agenten wurden sechs weitere Personen festgenommen. Diese wurden bei Nýrsko Alois Sutty übergeben und fuhren mit dem Auto nach Klattau zurück. Am Südrande der Stadt wurden sie von der Staatssicherheit verhaftet. Die Falluntersuchung endete im April des folgenden Jahres, als in einer Schießerei auf dem Bauernhof des Bauers Cvachovec bei Pocinovice Alois Sutty verletzt und verhaftet wurde. Es folgte die Prozessvorbereitung, welche am 12. – 14. Dezember 1950 kulminierte, als das Gericht Alois Sutty die höchste Strafe gab. Die anderen bekamen eine Strafe von 10 – 25 Jahren Gefängnis.

Am Montag dem 6. August 1951 ging SNB-Mitglied Rudolf Fuksa durch das Ferdinands Tal bei Markt Eisenstein nach Bayern über. Er lief in seiner Uniform, sogar mit seiner Dienstpistole. Es drohte ihm der Militärprokurator, weil er seinen Kollegen 200 Kronen entwendete. Auf dem deutschen Gebiet wurde er von der amerikanischen Wache verhaftet und nach seiner Entwaffnung und dem Verhör wurde er in das Flüchtlingslager geschickt. Hier entschied er, sich dem amerikanischen Nachrichtendienst CIC anzuschließen. Am Freitag den 19. Oktober überquerte Rudolf Fuchsa zusammen mit Jiří Hejna auf dem gleichen Platz die Grenze, diesmal aber in Gegenrichtung, nämlich als Agenten – Geher. In Teplice, wo sie die angegebene Nachrichtenaufgabe ausübten, machten sie es aber sehr unprofessionell. Sie bereiteten sogar Verabschiedungstrinkgelage für Bekannte vor. Am Samstag den 27. Oktober 1951 nahmen sie den Zug in Richtung nach Klattau und Markt Eisenstein mit der Absicht nach Bayern zurück zu kehren. Doch beim Umsteigen in Klattau wurden sie von der StB angehalten, die hier bereits auf sie wartete. Ihre unvorsichtiges Verhalten in Teplice hatte nämlich gleich mehrere Anzeigen bei den Sicherheitsorganen zur Folge. Im Januar 1922 wurden sie in Prag durch das Staatsgericht an Hochverrat, Desertierung und Aushorchen zur Todesstrafe verurteilt. Beide wurden in Prag (Pankrác) am 9. August 1952 hingerichtet.

Ende Mai 1952 fand in Teplice ein Prozess mit der Gruppe „František Havlíèek a spol.“ statt. Diese Gerichtsverhandlung war nämlich ein „Nachspiel“ zum Prozess, der sich bereits sieben Jahre vorher, in den ersten Nachkriegsmonaten an der Grenze der erneuerten ÈSR in Markt Eisenstein abspielte. František Havlíèek - Offizier der erstrepublikanischen Gendarmerie tritt in die entstehende SNB nach seiner Rückkehr vom Konzentrationslager ein. Im Oktober 1946 wurde er zum Oberstleutnant ernannt. Er wurde zum SNB-Regionsführer und Verbindungsoffizier an Verhandlungen mit den Vertretern der amerikanischen Armeeverwaltung in Bayern. Deswegen kam er oft nach Markt Eisenstein – Alžbìtín, wo er sich im Rahmen von Pflichterfüllungen mit amerikanischen Nachrichtenoffizieren, wie Kapitän Hawasch traf. Doch er setzte die Sitzungen auch in der Zeit fort, wo seine Position als Verbindungsoffizier aufgehoben wurde. Er fuhr weiterhin nach Markt Eisenstein unter verschiedenen Vorwänden und höchstwahrscheinlich übergab er dem Offizier Informationen von höchster Sicherheit. Im Jahre 1948 hörten sie auf, sich zu treffen, da dies nicht mehr möglich war. Der Oberstleutnant František Havlíèek ging einer neuen Taktik nach und zwar schickte er die Informationen über seinen Untergeordneten und Bekannten Wachtmeister Václav Šnaider, der in der SNB-Grenzgebietsabteilung in Všeruby tätig war. Im Sommer 1949 ging der Oberstleutnant František Havlíèek offiziell aus Gesundheitsgründen in Rente. Nach einer kurzen Zeit versuchte er die Verbindung mit den amerikanischen Berichterstattern zu erneuen. Dies erwies sich als verhängnissvoll, nicht nur für ihn, sondern auch für seine Mitarbeiter und Freunde. Als er die Verbindungsmöglichketi mit dem Ausland suchte, traf er auf einen StB-Agenten Vladimír Doležal, der sich für den Agenten-Geher ausgab. Zur Informationsermittlung benutzte er auf Ratschlag dieses Agenten s. g. „Todeskasten“ und damit übergab er unbewusst alle Informationen nicht nur von seiner Tätigkeit, sondern auch seiner Freunden und Mitarbeiter der StB. Am Donnerstag den 23. August wurde der Oberstleutnant František Havlíèek verhaftet. Kurz darauf gingen auch manche seiner Freunde und Bekannte, einschließlich seiner Frau Anna (geb. Suchá) ins Gefängnis. Oberstleutnant František Havlíèek zusammen mit seinem nächsten Mitarbeiter – Wachtmeister Václav Šnaidr waren dann zum Schluss zur höchsten Strafe verurteilt worden und am 12. November 1952 in Pankrác hingerichtet.

Im November 1953 wurde Böhmerwald Zeuge einer tapferen Flucht zweier jungen Intellektuellen, die nach Bayern flüchteten. Es handelte sich um Jiøí Wertheimer und Zdenìk Volf (geg. 1930 in Klattau). Diese lernten sich im Aeroklub des „Industriewettbewerbs Prag“ (im Januar 1953 ging er unter „Svazarn“ über) in Toèná bei der Südvorstadt von Prag kennen. Diese relativ neuen Ingenieure widmeten sich im Klub dem Segelflugzeugfliegen und absolvierten einen Motorsportflugzeugspilotenkurs. Zdenìk Volf als Repräsentant des Toèná-Aeroklubes gewann im Jahre 1953 an dem ersten nationalen Segelfliegerwettbewerb in Vrchlabí. Jiøí Wertheimer und Zdenìk Volf freundeten sich an. Sie einigten sich über die Flucht nach Westen, wo sie auf bessere Arbeitsmöglichkeiten hofften. Beide gehörten zu regelmäßigen Zuhörern von „Freies Europa“ und „Amerika-Stimme“. Am Sonntag den 22. November 1953 realisierten sie ihren Plan. Am arbeitsfreien Tag gelangen sie als gewöhnt zum Flughafen in Toèná. Zdenìk Volf verquatschte sich mit dem Mechanikern František Èumrda und zum Schluss bat er ihn den Brennstoff in einen seiner einmotorigen Kurier-Kriegsflugzeuge Piper L-4 nachzufüllen, das häufig in den Nachkriegszeit von der Armee und nachher von Svazarn-Aeroklubs in Toèna genutzt wurde (mit der Bezeichnung OK ANE K 68) und den Motor warm zu machen. Der Mechaniker kam den Aeroklub-Mitgliedern entgegen ohne festzustellen ob der Flug erlaubt war. Er antwortete ihnen sogar auf die Fragen über den technischen Stoß des Flugzeugs. Zdenìk Volf nutzte sicherlich seine momentane Popularität, denn im Wettbewerb in Vrchlabí machte er einen neuen tschechoslowakischen Rekord im Langflug mit dem Segelflugzeug (477 km). Jiøí Wertheimer kam gleich in den Hangar und setzte sich in die Kabine dazu. Zdenìk Volf fuhr mit dem erwärmten Motor aus dem Hangar auf die Außenfläche raus und warf den Motor an. Für den Fluchttag verließen sie sich auf den Nebel, der vorhergesagt wurde. Sie waren sich bewusst, dass gleich nach der Feststellung eines unerlaubten Fluges der Flughafen Toèná den in der Nähe stehenden Militärflughafen darauf aufmerksam machen würde. Gegen die sowjetischen Militärflugzeuge der Gesellschaft Mikojan-Gurewitsch hätte bei klarem Wetter das alte amerikanische Kurier-Gerät keine Chance gehabt zu flüchten. Gleich nach dem Start flogen sie in eine Wolkenschicht, die ihnen einen gewissen Schutz liefern sollte. Überraschenderweise vertrauten der Mechaniker und der leitende Turm dem roten Segelflügelrekordmann und sendeten das Signal der militärischen Flugabwehr nicht ab. Zdenìk Volf zielte zum Süden hin. In einer Stunde erreichten sie die Staatsgrenze auch trotz kurzfristiger Motorprobleme. Dieser fing an sich auszuschalten, was durch den Frost am diesem Flugtermin lag und ständige Bewegung in den Wolken verursacht wurde. Zdenìk Volf entschied sich den Kurs nach Süden zu richten, vielleicht auch weil er auf dem Weg zur Freiheit noch zum letzten mal Klattau sehen wollte.

Piper L-4 überflog die Staatsgrenze vor 13 Uhr in der Höhe von 50 Metern über dem Gipfel Roklan südwestlich von Markt Eisenstein. Sie flogen noch ein paar Kilometer über dem Deutschen Gebiet und zum Schluss landeten sie sicher im Kartoffelfeld in Bayern.

Eine Geschichte des Eisernen Vorhangs in der Umgebung von Markt Eisenstein misslang jedoch. Diese spielte sich am 10. Juni 1954 ab. Die sechzigjährige Rozálie Sledžinská ging vom Wald in der Nähe von Hojsova Strហaus. Kurz darauf traf sie auf den Touristen Rudolf Stahl, der hier einen Urlaub in der Einrichtung des „Staatlichen Einheitskomitees Pilsen“ machte. Komischerweise bat sie ihn um Hilfe. Sie wollte zum Militärkommando von ihm gebracht werden, damit sie die Staatsgrenze überqueren konnte. Gleichzeitig bat sie ihn um etwas zu Essen. Rudolf Stahl brachte sie in die Urlaubsseinrichtung und brachte Brot und Kaffee mit. Nach der Erfrischung begleitete er sie in eine andere Hütte in Hojsova Stráž, wo die Offiziere der tschechoslowakischen Armee aus Pilsen Urlaub machten. Da teilte die Frau zu ihrer großen Überraschung mit, sie überquere den Eisernen Vorhang in der Nähe von Markt Eisenstein. Der beurlaubte Oberleutnant Holeèek verhaftete Rozálie Sledžinská in der Hütte und informierte telefonisch die Führung der siebten Brigade der Grenzwache. Diese schickte sogleich eine Eskorte nach Hojsova Stráž, welche die Grenzwachstörerin zur Brigadenführung fuhr. Hier sagte die Frau aus, sie sei eine geborene Polin, die am Anfang des zweiten Weltkriegs mit nach Deutschland eingeschleppt wurde. Warum sie dort so lange nach dem Krieg blieb, erklärte sie nicht. Nichtsdestotrotz entschied sie sich Anfang Juni 1954 zurück in ihre Heimatstadt Kielt-Chelno zurück zu kehren. Im Verhörprotokoll führte sie nach der Verhaftung an, sie fliehe vor dem Einsperren. Sie fuhr aus der Stadt Gelsenkirchen nach Nordrhein-Westfalen. Von dort fuhr sie mit dem Zug über ganz Deutschland bis nach Regensburg und setzte ihre Reise bis zum Grenzgebietsbahnhof in Bayerisch-Eisenstein , welchen sie am Dienstag den 8. Juni 1954 früh Nachmittags erreichte, fort. In der hiesigen Kirche lernte sie eine unbekannte alte Frau kennen und bat sie um Hilfe mit dem Übergang über die Staatsgrenze in die Tschechoslowakei. Die Frau versprach ihr für ein kleines Entgeld, sie über die Grenze zu kriegen, da sich ihre Tochter gut im Grenzgebiet auskannte. Aber unter der Bedingung, dass es erst erst in der Nacht möglich wäre. Bis zu dieser Zeit lud sie sie zu sich nach Hause ein. Alles geschah wie verabredet. Nach 21 Uhr schritt Rozálie Sledžinská hinter der jungen Menschenschmugglerin zur Staatsgrenze. Wo genau sie den Eisernen Vorhang überquerte, war sie den Ermittlern der siebten Brigade nicht fähig zu sagen. Sie führte nur an, sie ginge mit der jungen Deutschen zu den Grenzzäunen circa eine Stunde. Nachdem sie sich ein bisschen erholten, zeigte die Menschenschmugglerin Rozálie Sledžinská, wie sie mit den Beinen zuerst durch die Drähte hindurchkriechen sollte. Sie half ihr zwei Zonen zu überwinden, nachher verabschiedete sie sich und kehrte auf die deutsche Seite zurück. In der Zwischenzeit kroch Rozálie Sledžinská unter dem letzten, dritten Zaun durch und machte sich auf den Weg in den unbekannten Wald. Es ist ein Rätsel, wie die Frauen die mittlere Späre überwanden, da sie zu der Zeit unter tödlichem elektrischen Strom war. Er war aber angeblich in gewissen Zeitperioden ausgeschaltet. Die unbekannte deutsche Menschenschmugglerin hätte es wissen müssen, da sie die mittlere Späre mit ihr überwand. Bei einem weiterem Schritt überwand Rozálie Sledžinská den Signaldraht in Kniehöhe, auf welchen sie von der Deutschen aufmerksam gemacht wurde. Nachher verlief sie sich im Wald und musste hier übernachten. Den zweiten Tag verlief sie sich weiter und so musste sie auch die zweite Nacht im Forst überstehen. Erst am 10. Juni ging sie aus dem Wald heraus und traf auf den obengenannten Urlauber. Die schockierten Grenzwächter fuhren sie nach dem Verhör wieder zum Signaldraht zurück und wollten den Platz der Sperrüberwindung sehen. Obwohl sie die ganze Zone, welche in Erwägung gezogen war, durchgegangen sind war sie nicht fähig den konkreten Platz zu ermittlen, da sie die Landschaft gar nicht kannte, beim Übergang kam sie zum ersten Mal hierher und durchlief alles in der Nacht. Im Protokoll wurde eine Notiz von der Zaunauschaltung gemacht. Dieser war ausgeschaltet, weil drinnen ein Ast stecken geblieben ist. Es handelte sich aber höchstwahrscheinlich um ein, vor Angst einer disziplinären Bestrafung, ausgedachtes Alibi. Rozálie Sledžinská wurde zum Schluss wegen Aushorchens angeklagt. Es erhielten sich keine Dokumente von ihrem Gerichtsprozess oder der Strafe.

Im September 1954 wurde vom Pilsner Gericht ein Urteil über die Menschenschmugglergruppen und Gegner des kommunistischen Regimes gefällt. Die Hauptakteure dieser Prozesse waren zwei erstrepublikanische Intellektuelle – Fachlehrer Milan Mouèka und MUDr. Miloslav Schauer die die gemeinsame Böhmerwalder Stadt Èachrov verband.

Milan Mouèka half den Leuten, die nach Weste flüchten wollten, entweder direkt als Menschenschmuggler oder er organisierte ihre Übergänge über die gut bewachte Staatsgrenze. Er benutzte ein gut verarbeitetes System. Leute, die sich nach der Flucht von der ÈSR sehnten, bekamen durch die familiären und freundschaftlichen Bindungen der Menschenschmugglermitgliedergruppe Instruktionen, sie sollten mit dem Bus nach Èachrov fahren und dort zum Tabakladen, der von dem Invaliden Aleš Ouøada geführt wurde. Nach der Aussprache der abgeredeten Formulierungen wurden die Betreffenden entweder zu Milan Mouèka in Èachrov oder zu seinem Mitarbeiter Ignác Denk in die nicht weit liegende Gemeinde Chøepice geschickt. Der Grenzübergang wurde entweder von Milan Mouèka oder Ignác Denk durchgeführt. Der erste fand durch Èachrov – Bradné – Chøepice – Mùstek – Brèálník statt. In Begleitung von Milan Mouèka erreichten die Flüchtlinge Bayern im Gebiet zwischen den Gipfeln Svaroh und Ostrý. Ignác Denk vereinfachte den Weg der Frauen und Kinder, da er sie versteckt im Wagen unter dem Heu mitnahm. Sie mussten nach Brèálník zu Fuß gehen. Ignác Denk gehörte zu den Böhmerwalder Deutschen, die der Vertreibung ausgewichen sind. Er fuhr im Wagen zur Grenze häufig auch die Gegenstände von den Hütten seiner Genossen, welche in den bayerischen Flüchtlingslagern bereits eine gewisse Zeit verweilten. Er lud die Sachen bei der Grenze ab. Hier wurden sie von den Vertriebenen abgeholt. Zu erstem Übergang solcher Art kam es Ende September 1949. Ein weiterer Mitarbeiter dieser Gruppe war ÈSD-Arbeiter František Pikhart. Er begleitete dienstlich die Züge bis zum Bahnhof Markt Eisenstein – Alžbìtín. Er fuhr oft die Briefe zu den Emigranten, welche er an der deutschen Bahnhofsseite unauffällig in den Briefkasten warf. Neben den Emigrantenübergängen half das Quartett auch mit den Übergängen und Übernachtungen von Agenten-Gehern, am meisten gewissen „Vojtìch Hejna“. Diese gehörten bis Februar 1948 zu den Einwohnern von Markt Eisenstein. Zur Entdeckung dieses Schmugglerkanals kam es im Frühling 1950. Alle vier Akteure wurden verhaftet und in zwei Gerichtsverfahren am 2. September und 31. Dezember 1954 zu langen Strafen verurteilt. Bei den Hausdurchsuchungen wurden bei ihnen unangemeldete Fernwaffen gefunden. Dies stellte einen belastenden Umstand dar. Der Hauptorganisator Milan Mouèka bekam die Freiheitsstrafe in einer Länge von zehn Jahren, Aleš Ouøada in einer Länge von sieben Jahren und František Pikhart in einer Länge von sechs Jahren. Die Kriegserfahrung als deutscher Rekrut von Ignác Denk machte für ihn die Situation schwieriger, da er mit speziallen Einheiten in den Kampf gegen Partisanen in Jugoslawien eingesetzt wurde. Die Richterin JUDr. Marie Benková schickte ihn für zehn Jahre ins Gefängnis. Das Gefängnisleben verschlechtete den Gesundheitszustand von Milan Mouèka und des Invaliden Aleš Ouøada. Beide wurden nach ein paar Jahren aus Gesundheitsgründen freigelassen, doch kurz darauf starben sie. Das restliche Paar wurde erst von der Amnestie, die im Zusammenhang mit einer neuen Verfassung am 9. Mai 1960 aufkam, gerettet.

Miroslav Schauer war mehrere Jahre in Èachrov als Bezirksarzt tätig. Als er pensioniert wurde, kehrte er nach Klattau zurück. Nach der Regimeänderung in 1948 half er seinen Gegnern hinter die Grenze seit Sommer desselben Jahres. Ing. František Procházka aus Prag wurde zu seinem Vermittler. Dieser informierte die Leute über die Bekanntschaften bei der Tschechoslowakischen Volkspartei nach Klattau, wo es zu den ersten Verabredungen in zwei hiesigen Restaurants kam. Sie sprachen nie untereinander. Mithilfe der verabgeredeten Gesten und Gegenständen bekamen die Flüchtlinge Instruktionen, sich auf den Weg zur Eisenbahn-Haltestelle in Klattau – Stadt zu machen und von dort mit dem Zug nach Bešiny zu fahren. Sie sollten weiter zu Fuß gehen oder mit dem Bus fahren. Sie stiegen an der Haltestelle Poschingers Hof über Markt Eisenstein aus. Hier trafen sie sich mit MUDr. Miloslav Schauer zusammen, der sich der Leute als Touristen als Fachmann der hiesigen Landschaft annahm. Persönlich überführte er sie über die Grenze entweder auf dem Weg Šimandl - Starý Brunst - Gerlova Hu – Polom - Vlèí jámy – Deutschland oder Lipplùv Dvùr – urspr. Lipplsäge - Nový Brunst – Polom- Vlèí jámy – Deutschland. Es kamen so nachweisbar zehn Leute ins Exil. Von den prominenten Flüchtlingen gingen aus der ÈSR zum Beispiel die Frau von Pavel Tigrid Ivan, Volksparteiabgeordnete JUDr. Bohumil Bunža und Dr. Ing. Štìpán Benda, Chefredakteur der Volksparteipresse Jaroslav Kusý, ehemaliger Bezirkssekretär der Volkspartei in Rokycany Jan Kvídera, Oberstleutnant des Justizdienstes Ladislav Spring aus Prag und weitere. MUDr. Miloslav Schauer wurde erst Anfang März 1954 angehalten. Es wurden bei ihm bei der Hausdurchsuchung am 6. März dieses Jahres unter anderem auch staatsgefährdende Gedichte, aber vor allem 60 Stück vom gefürchteten „imperialistischen“ Kartoffelkäfer gefunden. Diese sammelte der Verhaftete laut seiner Aussage auf dem Josef Tomans Feld in Nìmèice bei Strážov. Im Rahmen seiner Forschung wurde der Käfer von ihm präpariert. Die StB-Angehörige wollten es ausnutzen und eine weitere Beschuldigung von der Krankheitsverbreitungsvorbereitung dazufügen. In der Juni-Mitte erhielten sie aber eine Äußerung vom Institut für Epidemiologie und Mikrobiologie, dass die Exemplare des Kartoffelkäfers, die bei MUDr. Schauer gefunden wurden, keine Lähmungkeime und keine weiteren Krankheiten enthielten. Sie konnten also nicht zum „biologischen Angriff“ dienen. Es ist traurig, dass die Klattauer Führung der Volkspartei sich am 23. Juni 1954 negativ zum Fall von MUDr. Schauer äußerte und ihn sogar aus der Partei ausschloß. Es entging den StB-Angehörigen nicht, dass MUDr. Miloslav Schauer eine Übersicht der aktiven Diener des neuen Regimes schrieb. Diese kam mit Hilfe von seinen Prager Bekannten hinter die Grenze und wurde sogar mehrmals im Radio „Freies Europa“ übertragen. Sein Verdikt am 7. Oktober 1954, den sich MUDr. Miloslav Schauer anhörte, war hart. Er bekam 18 Jahre Gefängnis. Heraus kam er erst nach der Amnestie am 9. Mai 1960.

Im Sommer 1969 kam es am Grenzübergang Markt Eisenstein – Alžbìtín durch eine Gruppe junger Leute aus Ostböhmen, konkret aus Trutnov, zum Versuch die Grenze zu überqueren. Die Hauptinitiatoren waren damals sechzähnjährige Freunde Gert Michna und František Linhart. Beide waren wegen ihres Charakters im Kinderheim in Králíky gewesen, wo sie sich kennenlernten und anfreundeten. Bald schloss sich ihnen der um drei Jahre älterer Miroslav Kováø an. Sie fingen an die Flucht in den Westen zu planen. Schrittweise kamen dazu noch das Mädchen Olga Salèáková (in der Zeit der Flucht nach Bayern war sie 15 Jahre alt) und Jaroslava Hladíková (18 Jahre alt) und zum Schluss dann noch der Cousin von František Linhart – Antonín Linhart (damals war er 16 Jahre alt und hatte auch bereits Erfahrungen mit dem Aufenthalt im Kinderheim) und der fünfzehn-jährige Mièos Baliamis (Sohn griechischer Emigranten). Am Ende der ersten Juli Woche entschied sich die Gruppe über den Eisernen Vorhang in die BRD zu flüchten. Da alle die oben bereits genannten Probleme und einen Hauptschulabschluss hatten, war ihr Plan sehr einfach – in gestohlenen Wägen sich aus Ostböhmen über Pilsen und Klattau zur Grenzzone zu transportieren, hier einen anderen Lastwagen zu stehlen und damit die Grenzschränke durchzustoßen und nach Westen herüberzufahren. Dazu wählten sie den Übergang in Markt Eisenstein – Alžbìtín aus. Die Gruppe fing an, sich zu streiten und Olga Salèáková blieb in Trutnov (beim späteren Gerichtsprozess behauptete sie es wäre ihre Entscheidung gewesen; ihre ursprünglichen Verschwörer jedoch meinten, sie wollte emigrieren). Der Fluchttermin wurde auf den 10. Juli 1969 bestimmt, zum Schluss wurde dieser um einen Tag verlegt. Zum Schluss entschieden sie sich, den ersten Teil der Flucht mit dem Zug zu fahren. Auf dem Bahnhof in Hradec Králové trafen die sechs jungen Leute auf Milan Rumanovský, welchen die zwei Hauptorganisatoren bereits kannten (auch vom Kinderheim). Milan Rumanovský schloss sich ohne zu überlegen der Gruppe an. Als sie ihm sagten, sie wollten ein Wagen zum Transport nach Prag, wo sie nachher einen weiteren Wagen in Hradec Králové stehlen woltten, meinte das neue Gruppenmitglied, sie würden Probleme mit der „Öffentlichen Sicherheit“ (VB) noch vor der Flucht selbst haben, da die VB gleich nach den Wägen intensiv suchen würde. Damit waren alle Mitglieder einverstanden und waren froh, dass sie einen weiteren Verbündeten hatten, der als der einzige von der Gruppe mehr Erfahrungen mit dem Lastwagenfahren hatte. Mit dem Mitternachtszug machten sie sich am 11. Juli 1969 auch mit den neuen Gruppenmitgliedern auf den Weg nach Prag. Von dort fuhren sie mit dem Zug nach Pilsen. Pilsen erreichten sie am Samstag, den 12. Juli etwa um 9 Uhr in der Früh. Sie hatten in der Westböhmischen Metropole eine Ausstellung „EX Pilsen 69“ besucht. Erst am Sonntag machten sie sich wieder mit dem Zug auf den Weg nach Klattau, welchen sie nachmittags erreichten. Die Gruppe trennte sich in Klattau und alle fingen in die umliegenden Staßen an ein Lastwagen zu suchen, mit welchem es möglich wäre nach Bayern zu flüchten. Die Suche dauerte nicht lange, da sich in der Nähe das ÈSAD-Areal befand, wo mehrere Lastwagen geparkt wurden. Da manche Fahrer manchmal mit den Wägen schwarzfuhren, gab es sogar im Zaun eine improvisierte Ausfahrt, die man durch eine Drähtchenöffnung und Drahtflechtteilabhebung „aufsperren“ konnte. Der Wagendiebstahl wurde auf Mitternacht geplant. Um 21 Uhr machte sich das Quartett Gert Michna, Miroslav Kováø, Mièos Baliamis a Milan Rumanovský durch die dunklen Staßen auf den Weg zum ÈSAD-Areal. Das restliche Trio ging hinter die Stadt zur Ausfallstraße in Richtung nach Markt Eisenstein. Hier sollten sie in den gestohlenen Wagen einsteigen. Sie stahlen den Wagen Škoda 706 Trambus und da keiner der Jungen Führerschein besaß, fuhr das Auto Milan Rumanovský. Sie fuhren über die Stadt in Richtung zur anderen Gruppe und danach nach Markt Eisenstein. Es ist sehr merkwürdig, dass die Abfahrt des Wagens keine Aufmerksamkeit bei dem Wächter erregte und dass er nicht Alarm ausrufte. Hinter Klattau stieg das restliche Trio František Linhart, Jaroslava Hladíková und Antonín Linhart in den Lastwagen ein. Nachher fuhren sie weiter nach Markt Eisenstein. Sie fuhren durch dieses Städtchen am Montag den 14. Juli 1969 nach ein Uhr in der Nacht. Hinter der Stadt hielten sie und das Quartett Hladíková, Cousins Linhart und Mièos Baliamis zogen in die bedeckte Lastwagenladefläche um. In der Kabine blieb nur das Trio, das den Lastwagen fahren sollte. Hinter dem Lenkrad saß Milan Rumanovský währenddessen Gert Michna und Miroslav Kováø waren bereit waren, die Lenkung zu übernehmen, falls ein mögliches Schießfeuer den Fahrer verletzte. Nicht weit weg von der Stadt näherten sie sich der ersten Schranke an, ohne den Wachtaufruf zum Anhalten richtig wahrzunehmen. Der Schütze PS Petr Hašl, der bei der ersten Schranke seinen Dienst ausübte, sprang von dem immer schneller werdenden Lastwagen in den Straßengraben weg und gab sofort Signal, dass ein Gewaltgrenzübergang stattfand. Da war die erste Schranke bereits überwunden und der Trambus fuhr auf der Straße zum Grenzübergang weiter. Dabei wurden die vorderen Lichter kaputt gemacht, so setzten sie die weitere Fahrt in der Dunkelheit fort. Nach fast einem Halben Kilometer erreichte der flüchtende Wagen die andere Schranke, wo bereits die Wacht in voller Bereitschaft wartete und das Feuer auf den Wagen auslöste. Doch der Wagen fuhr so schnell, dass obwohl die Wächter die ganze Munition verschossen, der Trambus mit den jungen Leuten zur Staatsgrenze weiterfahren konnte. Die letzte Schranke war unvergleichbar dicker als die vorherige und vor allem wurde sie in zwei Metalbettonpfeiler eingesetzt. Diese beendete das Abenteuer. Der Wagen wurde durch den Zusammenstoß zerstört. Die Kabine löste sich und flog über die Sperre. Der Stoß schnellte das vordere Trio durch die Windschutzscheibe der augelösten Kabine. Laut Aussagen der eingreifenden Grenzbeamten, die sich in der Zwischenzeit dem Wagen näherten, gingen die Flüchtlinge in Richtung der Staatsgrenze die etwa zehn Meter entfernt war. Anscheinend durch den Schock den sie erlitten und vielleicht auch durch die Trommelfellbeschädigung, reagierten sie angeblich gar nicht auf den Aufruf der Grenzbeamten. Diese versuchten ihnen den Weg zu abzusperren. Nachher schoss der Führer der eingreifenden Wache Pavel Sedlák zwei Kugeln von seiner Maschinenpistole ab. Diese töteten Gert Michna. Die anderen wurden verhaftet und dem Gefängnis in Pilsen (Bory) übergegeben. Das Gerichtstribunal gab allen Überlebenden Strafen im Umfang von acht Monaten bis zu einem Jahr für die Straftat der unbewilligten Vermögennutzung sozialistischen Besitzes. Die Strafen von Milan Rumanovský, Miroslav Koláø und František Linhart wurden ohne Bewährung, die Strafen der anderen Personen auf Bewährung mit einem Aufschub für zwei Jahre. Der Leiter des Einsatzes Pavel Sedlák wurde zwar von seinen Übergeordneten gelobt, aber aufgrund der psychischen Probleme brach er am 19. Juli 1969 zusammen und wurde sogar vorzeitig vom Militärdienst eben wegen der psychischen Problemen freigelassen.

Die gefährliche Reise über den Eisernen Vorhang auf unserem Gebiet erwartete auch Vladimír Prislupský, der in Klokoèov in der Ostslowakei im Jahr, wo die Kommunistische Tschechoslowakische Partei definitiv die Macht übernahm, geboren wurde. Vladimír Prislupský gehörte zu den aktiven Spielern des kleinen Fußballs. Im Jahre 1982 repräsentierte er sogar die Tschechoslowakei auf der Europaische Meisterschaft in Rom. Das Team gewann den vierten Platz und auf dem Rückweg feierte es ausreichend. Dadurch kam zu mehreren Ausschreitungen und so fing sich die StB an um Vladimír Prislupský kümmern. Eine private Feier von einem der StB-Angehörigen fand im Hotel Salaš in Ve¾ký Slavkov bei Poprad, der damals von Vladimír Prislupský geführt wurde, statt. Mit immer steigendem Alkoholpegel im Blut kam es zwischen Vladimír Prislupský und seinen Gästen immer öfter zu Wortscharmützeln. Alles gipfelte in eine Schlägerei zwischen dem Personal und den feiernden StB-Angehörigen. Im Jahre 1983 folgte eine übliche Dissidentenbeschuldigung bezüglich des Vermögens und der Diebstähle in den sozialistischen Besitz. Prislupský wurde angehalten und für neun Monate in das Untersuchungsgefängnis geschickt. Vor dem Gericht wurde er freigelassen und er entschied sich nach Westen zu fliehen. Er benutzte den Motordrachen zum Überwindung des Eisernen Vorhangs. Dieser war in der zweiten Hälfte der 80er Jahren sehr populär. Die begeisterten Hauskonstrukteure rüsteten die klassischen Drachenflügel mit den leicht erreichbaren ostdeutschen Plastikautomobilen der Marke Trabant aus. Ende April 1987 versuchte dieser eigentlich gar nicht geübte Pilot (er belegte nur einen Drachenkurs) seinen ersten Abhebeversuch. Doch dieser endete mit einem Unfal und der Beschädigung vom gekauften Motordrachen. Nach der Motordrachenreparatur wollte er über Böhmerwald fliegen, wo sein Cousin lebte. In der Zeit entschied das Gericht über seine Verhaftung. Die Freunde von ihm schafften es aber, eine Krankheitsbescheinigung zu beschaffen und so bekam er einen Gefängniseinstiegaufschub. Zusammen mit dem Freund Gabriel Vyšaník lud er den reparierten Drachen auf die Ladefläche des ausgeliehenen Lastwagens und machte sich auf den Weg nach Taus. Südlich von dieser Stadt gab es eine Startbahn (von welcher er von seinem Cousin erfuhr) zum Überflug des Eisernen Vorhangs nach Bayern. Es handelte sich um einen geraden Abschnitt mit der Länge von etwa 500 Metern. Dieser führte entlang des Baches südöstlich von der Gemeinde Mrákov. Sie erreichten mit dem Lastwagen ihren Anfang am 18. Mai 1987. Mit dem Aufbau mussten sie warten, da auf dem anliegenden Feld der hiesige Traktorfahrer arbeitete. Nach 19 Uhr als der Bauer wegfuhr, bauten sie innerhalb von ein paar Minuten den Drachen aus und bereiteten ihn zum Start vor. Diesmal war der Start gleich auf den ersten Versuch erfolgreich und Vladimír Prislupský hob ab. Gabriel Vyšaník sprang in den geborgten Wagen und peste in die Slowakei zurück. Doch die Wache bei dem Radiopositionsgeber der Luftstaatsverteidigung bemerkte gleich das unerlaubte Abheben des Motordrachens. Ihre Position befand sich an der Steigungslinie des mutigen Drachenpiloten und rufte ein Signal über den Versuch der Staatsgrenzstörung aus. Der Befehl erreichte sofort Žatec. Von dort startete ein Jagdflugzeugpaar. Vladimír Prislupský setzte in der Zwischenzeit einfach in die Staatsgrenzerrichtung. Es war eigentlich sein zweiter Drachenflug und noch dazu kannte er die Landschaft unter ihm nicht. Zur Überraschung der Grenzbeamten, die seine Route beobachteten, flog er nicht direkt, sondern er wechselte oft die Richtung. Laut Erinnerungen eines Grenzwachangehörigen flog der Drache sogar direkt über die Grenzwachkompanie in Maxov. Nach ein paar Minuten flogen über dem Drachen die Mikojan-Gurewitsch-Jagdflugzeuge, sie bedrohten ihn aber nicht. Er flog höchstwahrcheinlich sehr tief, um ihn ohne Bedrohung runterschiessen zu können. Vladimír Prislupský überflog zum Schluss erfolgreich in der Nähe des Grenzübergangs Folmava den Eisernen Vorhang und landete auf einer Wiese in der Nähe der bayerischen Stadt Roding. Auf seinen Freund Gabriel Vyšaník wartete eine Strafe, da in der Zwischenzeit die Fahndung zur Strafvollstreckung von Vladimír Prislupský einsetzte. Gabriel Vyšaník wurde am 19. Mai 1987 noch auf dem Rückweg auf dem Parkplatz in der Nähe von Brün angehalten. Der Senat verurteilte ihn für die Hilfe zur Flucht des Vladimír Prislupský zu 15 Monat.

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