1 – Kvilda Pod políèky

In dichter Nähe dieses Weges liegt die erste Zone des Nationalparks Böhmerwald. Konkret befindet sich hier ein Naturdenkmal Kvilda – Pod políèky. Políèka ist ein Ortsname des Nichtholzbodens, ehemaligen Ackerbodens auf dem südlich orientierten Hang des Berges Orel. Das Gebiet Podpolíèka befindet sich auf westlich orientierten Hängen von Orel und wie der Name vorsagt, befanden sich niedriger hangabwärts unter dem Gebiet Políèka. Das Naturdenkmal ist in zwei Teile aufgegliedert. Der erste Teil liegt auf westlich orientierten Hängen am nördlichen Rande von Kvilda über die Strasse. Der zweite Teil ist auch nördlich, jedoch in der Aue und in dichter Umgebung vom Kvildský-Bach. Dieses Gebiet ist wegen Anwesenheit von erhaltenen bergigen Nichtholzboden-Biotope und darauf angebundenen Pflanzenarten besonders geschützt. Man soll in Kenntnis nehmen, dass sich die Biotope der nassen sowie trockenen Wiesen und Weiden ohne Menschentätigkeit gar nicht entwickeln würden und das Artenreichtum der lokalen Organismen
verhältnismäßig ärmer wäre.

Auf Borstgrasen und Bergheiden wächst z.B. Bergwohlverleih (Arnica montana) und Heidekraut (Calluna vulgaris). Auf Übergangstorfböden finden wir Rauschbeere (Vaccinium uliginosum), Scheidiges Wollgras (Eriophorum vaginatum), Rundblättrigen Sonnentau (Drossera rotundifolia) oder Europäischen Siebenstern (Trientalis europaea). Auf feuchten Distelwiesen dominiert Alant-Kratzdistel (Cirsium heterophyllum) mit silberigem Blattrücken, Krauses Greiskraut (Tephroseris crispa) oder Dreiblättriger Fieberklee (Menyanthes trifoliata). Dieses Gebiet ist bekannt durch umfangreiche Population von Pannonischen Enzian (Gentiana panonnica). Das Naturdenkmal Kvilda – Pod políèky schließt stromaufwärts des Kvildský-Baches auf bekannte Jezerní sla an. Jüngstvergangen gab es hier Wiesen und es erfolgte hier sogar auch Torfgewinnung durch Torflagerung.

Eine von sehr interessanten Pflanzenarten, die im lokalen Nichtholzboden wachsen, ist auch Zwergbirke (Betula nana). Sie ist eine sehr subtile Nichte von bekannten Bäumen mit weißer Papierborke. Dieses Gehölz ist zum Unterschied von seinen Verwandten mit größerem Aufwuchs ein subtiler Strauch. Dieser bildet die Polykormone (Wachstumsformen, wo aus verbundenen unterirdischen Organen höhere Anzahl von überirdischen aufwächst, sodass das Ganze wie größere Menge von einzelnen abgetrennten Einzelwesen aussieht, genetisch handelt es sich jedoch um ein Individuum). Polykormone sind bis auf einige Zehner von Quadratmeter umfangreich und erreichen etwas mehr über einen Meter Höhe. Seinen Zwergkörperbau gewann dieses Gehölz durch Evolution (Entwicklung) im Klima der Tundra und Taiga. Die rauen Klimaverhältnisse der offenen Hochmoore formten die Gestaltung und Eigenschaften dieser Art. Heftiger Wind, Menge von Niederschläge – Schnee, Frostbeschläge, sehr niedrige Temperaturen und stark nicht-ertragsfähiges Substrat werden besser in niedrigerer Lebensform vertragen. Gemeinsam mit Miniaturisierung der Stämme zu Stämmchen kam es auch zur Verkleinerung der Blätter zu Blättchen, die rundförmig, stumpf gekerbt und auf der Oberfläche klebrig sind. Sehr subtil sind sie auch in den Blütenständen - Kätzchen. Genauso wie ihre großen Verwandten blättern diese Bergzwergsträucher im Herbst ab.

In der Tschechischen Republik ist die Zwergbirke nur auf Hochmooren und Torfwiesen der Berggebiete im Böhmerwald, im Erzgebirge und im Isergebirge verbreitet. Weltweit kommt sie im imaginären Dreieck vom Grönland bis Ural (ununterbrochen) und in Bergen Mitteleuropas (inselförmig) vor. Diese Art blieb auf ihren Standorten in Sudetengebirgen aus letzten Eiszeiten, wird also für sog. Eiszeitrelikt betrachtet. Der Blütenstaub dieser Art kommt nachweisbar in Sedimenten der mehr als 15 000 Jahre alten Torfböden vor. Weitere Eiszeitrelikten im Böhmerwald sind z.B. Polei-Gränke (Andromeda polyfolia), bereits erwähnter Europäischer Siebenstern (Trientalis europaea), Schwarze Teufelskralle (Phyteuma nigrum) oder Alpen-Haarsimse (Trichophorum alpinum). In hohen Lagen mit genug Kälte wurde ihre Refugia – Zufluchtsort überliefert, welche aus den Eiszeiten verblieb. Das Gebiet von Kvilda ist eine der kältesten Orte der Tschechischen Republik.

Die Eiszeit, deren Pflanzenzeugen im Böhmerwald erhalten wurden, war nicht nur eine, wie es tradierte, sondern es gaben verhältnismäßig mehrere. In Gegenwart einigen sich die Wissenschaftler auf ca. 20 Eiszeiten während des Quartärs, also unserer Menschenepoche. Vielleicht langen bald weitere ein. Die Existenz der Eiszeiten wurde bis zu Paläozoikum und auch tiefer in die Vergangenheit in Erdfrühzeit (die Zeit bevor Lebewesen) nachgewiesen. Wann die Zwergbirke ins Böhmerwald gelang, kann nicht direkt nachgewiesen werden, wir wissen, dass bei letzter Eisbedeckung war sie da.

Es ist erläuternd hinzufügen, dass die glazialen Relikte oft besonders geschützt werden, gerade wegen ihrem Ursprung – sie sind die Zeugen der tiefen Vergangenheit, in welcher sie in sich quasi unsichtbare Informationen tragen. Nicht anders ist es mit Zwergbirke. Diese Art ist gesetzlich geschützt in Kategorie der stark bedrohten Art und ist auf roter Liste der Arten der Tschechischen Republik in Kategorie aus dem Jahr 2017 eingetragen.

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