4 – Buchwald / Buèina

Relativ kurze, jedoch intensive Geschichte des Buchenwaldes (Entstehung Ende des 18. Jahrhunderts und Auflösung in Mitte des 20. Jahrhunderts), liesen in der Gestalt der örtlichen Landschaft ganz klare sowie unauffällige Spuren hinter. Im Gegenteil einige Elemente verschwunden aus der Landschaft quasi spurlos.

Das auffälligste Merkmal der hiesigen Landschaft ist ein Netz der agrarischen Erdwälle – Steinabdrifte – welche üblicherweise an Grenzen der Grundstücke aus Gesteinsblöcken und Steinen gebildet werden. Diese wurden durch prachtlose Notwendigkeit der Landwirtschaftsernährung der Menschen gebildet, die hierher im Zusammenhang mit Ausweitung der Holzindustrie kamen. Im Jahre 1790 war es notwendig, die vom Fürst Schwarzenberg angewiesenen Grundstücke auszuroden und von Steinen zu befreien, damit man überhaupt Wirtschaften beginnen kann. Welche Menge von Arbeit bedeutete es, kann man sich beim Blick auf massive Erdwälle vorstellen, die den früh mittelalterlichen Burgstätten ähnlich sind. Die Leute nutzten hier vor allem das Grünland und das Bogenschießen, jedoch man baute hier (in der Meereshöhe über 1000 m ü. M.!) das Getreide, die Kartoffeln, Kohlrübe oder den Lein an. Auf diesen Abdriften dominieren zurzeit die mächtigen Bergahorne (Acer pseudoplatanus) mit marmorierter Borke, bedeckt mit Menge an Flechten. Ähnliche Landschaftsgestaltung ist typisch auch für nahen deutschen Enklaven in der Umgebung von Fünsterau.
Steinwalle bewachsen mit Bergahorn
Hunderten Händen von Forstarbeitern bearbeiteten die lokalen hochgewachsenen Wälder. Aus dem Namen der Gemeinde „Buèina“, „Buchwald“, kann man erraten, dass hier die Buchen dominierten. Heutzutage ist hier nach den Buchenwäldern, bis auf kleine Fragmente in Richtung Knížecí plánì, keine Erinnerung. Nach der Buche wurde Rottanne verschiedentlicher Provenienz gepflanzt, deren Bestände jahrhundertelang durch Borkenkäfer- sowie Windkalamitäten geprüft wurden. Die ersten kamen gegen 1890. Die letzten erfolgten in 90. Jahren des 20. Jahrhunderts sowie am Anfang des neuen Jahrtausends.

Überwiegender Teil der Bevölkerung von Gemeinde Buchwald war zum Zeitpunkt ihres größten Aufschwunges deutsch (1930–36 Häuser, 343 Einwohner, davon 337 der deutschen Nationalität). Nach dem zweiten Weltkrieg, wenn es zur Aussiedelung von meisten deutschen Einwohner kam, begann der Untergang der Gemeinde Buchwald. Im Jahre 1947 lebten hier 58 Einwohner. Der definitive Untergang der Gemeinde kommt mit dem eisernen Vorhang und seiner Grenzzone im Jahre 1956, wenn die verlassenen Häuser am Boden gleichgemach wurden. Es bleib nur das ehemalige Pešlùv Hotel stehen.

Das Ergebnis des Durchlaufes der Geschichte durch Buchwald ist das gegenseitige Landschaftsgesicht und die gegenwärtige Artenvielfältigkeit von Fauna sowie Flora. Zwischen dem ununterbrochenen Netz von Agrarwülsten befinden sich viele verschiedenartig feuchte Wiesen. Die sind in der Gegenwart wieder gemäht oder geweidet. Ein großer Teil von Nichtholzboden unterging jedoch bereits durch Sukzession (Entwicklung der Vegetation), Bewachsen mit Holzbeständen wie Salweide, Aschweide, Zitterpappel, Weissbirke und reichlich Rottanne.

Auf restlichen Wiesen ist der Einfluss von Feuchtigkeitsgradient schön ersichtlich. An den meist feuchten Stellen bildet sich die torf-seggige Vegetation, auch kalklosen Niedermoore genannt. Hier wachsen die Arten wie Scheidiges Wollgras (Eriophorum vaginatum), Wiesensegge (Carex nigra), Wald-Schachtelhalm (Equisetum sylvaticum), oder seltene Winterharte Seerose (Wilementia stipitata). An schattigen Stellen kommen die Moose wie Punktiertes Sternmoos (Rhizomnium punctatum) vor. An feuchten Kratzdistelwiesen sind die Arten wie Sumpfdotterblume (Caltha palustris), Waldbinse (Scirpus sylvestris), Krauses Greiskraut (Tephroseris crispa), oder Rauhaariger Kälberkropf (Chaerophyllum hirsutum) üblich. An wechselweise feuchten Böden entstehen andere Grannenhaferwiesen mit Arten wie Wiesen-Storchschnabel (Geranium pratense), Alant-Kratzdistel (Cirsium heterophyllum), Hallers Schaumkresse (Cardaminopsis halleri), Schafer Hahnenfluss (Ranunculus acris), Kanten-Hartheu (Hypericum maculatum) und Natter-Knötenrich (Bistorta major). An Stellen mit größerer Menge von Nährstoffen kommt ergiebiger Löwenzahn (Taraxacum sect, Ruderalia) reichlich vor. An mehr trockenen Stellen mit weichem Boden und kleinerer Menge von Nährstoffen formen sich dann die Gebirgs-Borstrasen mit Arten wie Borstgras (Narduus stricta), Heidekraut (Calluna vulgaris), Bocksbart (Scorzonera hummilis) oder Rundblättrige Glockenblume (Campanulla rotundifolia) und Bergwohlverleih (Arnica montana). Im Schatten der Alleen von Bergahorne finden wir eine schön blühende zweihäusige Silene (Silene dioica), seltener, weit blühenden Hahnenfuß – Platanen-Hahnenfuß (Ranunculus platanifolius) oder zierliches Wildes Steifmütterchen (Viola tricolor subsp. polychroma). Der nostalgische Zeuge der deutschen Besiedlung sind Stöcke von entlang der Straße gebersteten Narzissen, auf Ruinen der Gärten und Häuser der ehemaligen Ansässiger.

Auf offenen Wiesen in Steinabdriften, in Gebüschen sowie Waldganzen lebt ganze Reihe von Lebwesenarten. Gut geht es hier der für Böhmerwald typischen Schlange, Kreuzotter (Vipera berus). Dieser "befürchtete" Kriecher nimmt sehr gut die Umgebungsvibrationen wahr, so dass ihn die Leute kaum betrachten und falls er doch einen Menschen trifft, so verschwindet er schnell.

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