6 – Das Hochmoor

Nördlich von Finsterau befindet sich das Hochmoor Finsterauer Filz, das ca. 400 m lang und 200 m breit ist. Das Hochmoor ist eine Moorart, die sich über ihre Umgebung aufwölbt und am Que-rschnitt eine Linsenform besitzt. Zur Hochmoorbildung kommt es bis Ende der letzten Eiszeit, wann nach dem Rückgang der lokalen Vergletscherung in der Berglandschaft kleinere oder größe-re schalenförmige mit dem an Nährstoffen armen Wasser gefüllten Senkungen – Lacken zurückgeblieben sind. Unter den Bergbedingungen, wo das Klima kalt ist und die hohen Nied-erschlagsmengen vorkommen, gedeihen an günstigen Plätzen (mit dem undurchlässigen Unter-grund) Moose, insbesondere Torfmoose. Diese gefäßlosen Pflanzen sind im Laufe der Zeit fähig die kleine Wasserfläche gänzlich auszufüllen. Am Boden bildet sich aus abgestorbenen Torfmo-oskörpern eine organische Ablagerung (das Humolit, ansonsten auch Torf genannt) und an der Spitze wachsen die Moose fortwährend zu. Ist die Lokalität ausreichend mit Wasser versorgt, kommt es aufgrund der Anhäufung an Humoliten zur Aufwölbung der Mitte über die Kante und eine Torfschicht kann sogar einige Meter besitzen. Die Moore sind kleine in Mitteleuropa bewahr-ten Insel der nordischen Landschaft (Tundra und Tajga).
Die Verkleinerung von Sibirischer Taiga und Tundra
Die Hochmoore haben ihre eigenen ökologischen Spezifika. Die Böden sind organisch und stark sauer. Auf den Hochmooren gibt es in dem Boden sowie dem Wasser das Minimum an Nährstoffen, daher ist hier die Wachstumsmöglichkeit von Gefäßpflanzen eingeschränkt und es überwiegen immer die Moose gegenüber den Gefäßpflanzen. Die spezialisierten Pflanzen wie der Rundblättriger Sonnentau (Drosera rotundifolia) gleichen den Mangel an Nährstoffen, insbesondere an Stickstoff, durch das Fangen und Verdauen der kleinen Insekten mithilfe von Leim aus, der durch die typischen Drüsen auf der Blattfläche ausgeschieden wird. Wichtige Faktoren, die das Moor und dessen Biodiversität (die Artenvielfalt) am meisten beeinflussen sind die Torfmächtigkeit, die Wasserspiegelschwankungen im Laufe des Jahres und dessen Größe (in die Ränder dringen die Pflanzenarten von den umliegenden Waldbiotopen).

Die Bedeutung der Moore besteht darin, dass sie in der Lage sind große Wassermengen zu binden und diese nach und nach freizusetzen. Sie tragen damit zum Ausgleich der Wasserverhältnisse in der Landschaft bei.

Die nächste der Bedeutungen der Moore ist die Bildung des Gedächtnisses, einer Paleochronik des jeweiligen Standorts. Jedes Jahr blühen die Pflanzen und produzieren ihren Blütenstaub. Dieser wie jedes andere Feststoffteilchen fällt von Luft zu Boden. Sollte dieser ins Moor fallen, so wird er von dem zuwachsenden Torfmoos aufgenommen und gemeinsam mit dem abgestorbenen Stielteil in einer Schicht abgelagert. Es wird jedes Jahr eine Schicht abgelagert. Tausend Jahre lang wird in dem Torf der Blütenstaub aufbewahrt, verändert seine Gestalt nicht und ist artspezifisch. Jede Pflanzenart (oder Pflanzengesamtheit) hat ihren typischen Blütenstaub. Nach einer fachgerechten Analyse kann uns die Pollenaufzeichnung eine Reihe von Auskünfte darbieten. Das Ergebnis einer sorgfältigen Pollenanalyse ist ein Diagramm, wo in Erscheinung tritt, wann welche Pflanzen auf dem jeweiligen Standort hervorkamen oder verschwanden. Daraus kann man die Entwicklung der Vegetation, Temperatur, Feuchtigkeit sowie anderer Variablen des jeweiligen Standorts tief in die Vergangenheit schließen.
Blütenstaub auf dem Wasserspiegel – die zukünftige Ablagerung im Torf
Die nicht letzte der Bedeutungen der Moore ist, dass es hier Biotope gestaltet werden, die einen Lebenstraum (eine Nische) einer großen Zahl an Organismen gewähren. Diese sind so eng spezialisiert, dass sie außerhalb Moors nicht leben können – fachsprachlich werden diese als Tyrfobionte bezeichnet. Es handelt sich zum Beispiel um verschiedene Arten von Moosen (Torfmoose), höheren Pflanzen wie die Familie Riedgrasgewächse Cyperaceae (Riedgrase, Wollgrase) und Heidekrautgewächse Ericaceae (Heidekraut, Polei-Gränke und einige Arten von Preiselbeeren, z.B. Moor-Heidelbeere). Die Torfmoose und Kräuter bilden die für Böhmerwald typischen unbewaldeten Biotope. Verschiedene Arten von Torfmoose wachsen spezifisch auf den Bulten (kleinen Hügeln), in Schlenken (schalenförmigen Vertiefungen) sowie in der Wassersäule. Auf trockenen Plätzen überragen dann meistens Heide, Blaubeere oder Scheidiges Wollgras. Die unbewaldeten Biotope kommen in unserem Falle in der Mosaik mit strauchartigen Kieferbeständen vor. Es handelt sich wahrscheinlich um das Moor-Kiefer (Pinus x pseudopumillio), eine Kreuzung des Sumpfkiefers (Pinus mugo) mit Wald-Kiefer (Pinus sylvestris). Von sonstigen typischen Torfhölzern wächst hier die Haarbirke (Betula pubescens).

Von den Lebewesen sind an die Moore verschiedene Spinnenarten, z.B. slíïák severský (Pardosa hyperborea), die Familie der Wolfspinnen Pirata oder plachetnatka vrchovištní (Aphileta misera) gebunden. In der Wassersäule kommen tyrfobionte Arten von Krustentieren Wasserflöhen z.B. rašelinovec vrchovištní (Streblocerus serricaudatus) und Cyklops, z.B. buchanka vrchovištní (Diacyclops crassicaudis) vor. Die mehr auffälligen Einwohner der Hochmoore sind die Vertreter der Insektengruppen, z.B. Libellen šídlo rašelinné (Aeshna subarctica) oder lesklice severská (Somatochlora arctica). Die Schmetterlinge, z.B. žluásek borùvkový (Colias palaenoeuropome), modrásek støíbroskvrnný (Vacciniina optilete), oder Moosbeerenspanner (Carsia soroirata). Ferner gibt es hier für die Torfmoore typische Käferarten, Hautflügler, Zweiflügler usw. Von den Wirbeltieren sind die typischen Vertreter Kriechtiere ještìrka živorodá (Lacerta vivipara), Kupferschlange (Vipera berus). Von den Vögeln kann man als Tyrfobionten Birkhuhn (Lyrurus tetrix) bezeichnen. Von den Säugetieren kommen es in Mooren die kleineren Arten wie hraboš mokøadní (Microtus agrestis) oder rejsek hnìdý (Sorex araneus) vor.

Das hiesige Hochmoor wurde in der Vergangenheit sehr gefühllos durch mehrere breite Rigolen dräniert. Die Menschen führte dazu vermutlich die Idee, dass das Hochmoor sonst nicht wirtschaftlich anwendbar ist. Deshalb wählten sie die Entwässerung des Hochmoors und die anschließende Bepflanzung mit Fichte. Dadurch veränderte sich der Charakter des Hochmoors vollkommen und es ist eine ganze Reihe von tyrfobionten Organismen verschwunden. Zum Glück beginnen sich in den letzten Jahrzehnten die Denkansätze der Menschen in bessere Richtung zu wenden und in der letzten Zeit wurde das hiesige Hochmoor revitalisiert. Die ausgewachsenen Fichten wurden abgeholzt und es wurden kleine Sperren in den Entwässerungsgraben schrittweise angelegt. Der Zweck dieser Sperren ist es die Wasserverhältnisse des Hochmoors herzustellen. Wie bereits erwähnt, das Wasser ist das Schlüsselelement beim Vorhandensein des Hochmoors, sonst unterliegt es sehr schnell der Entwicklung, die fachsprachlich als Sukzession bezeichnet wird. Hierbei handelt es sich um das Bewachsen mit Holzarten und eine Änderung des ursprünglichen Nichtholzbodens, das sich hier seit Jahrtausenden in Entwicklung befand, und zwar zu Wald. Bei guter Pflege des revitalisierten Hochmoors ist es auf die Wiederherstellung dessen Wasserverhältnisse, die Bildung von Humolit (Torf) und sonstiger natürlichen Vorgänge zu hoffen, die zur Rückkehr bestimmter Arten an Organismen und Stabilisierung des sensiblen Ökosystems führen werden.

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