7 – Durch Filze und Hochebenen des Böhmerwaldes und Bayerischen Waldes

Die Geschichte des Standorts ist mit dessen biologischer Vielfalt sehr eng verbunden. Die Ortschaft Finsterau wurde 1704 am Bergreichensteiner Ast des Goldenen Steiges vom Johann Philipp von Lamberg, Bischof von Passau, gegründet. Bis Mitte des 18. Jahrhunderts war die Ortsbezeichnung „Halbwald“, weil die Siedlung auf dem halben Weg zwischen Kreuzberg und Bergreichenstein lag. Seit Anfang des 18. Jahrhunderts wurde die Landschaft in der Umgebung der Ortschaft zum ersten Mal systematisch besiedelt. Dieser Zeitraum erscheint zum Unterschied zu Niederungen, die schon in der Urzeit besiedelt worden sind, als sehr kurz. Es kann davon ausgegangen werden, dass vor der Gründung der ersten Siedlungen, die nach den vorliegenden Informationen zehn zählten, war das Gebiet der Gemeinde vollkommen mit Wald bestockt. Über die Zusammensetzung der Waldbestände kann es diskutiert werden, aus den paleoökologischen Studien ergibt sich jedoch, dass zu diesem Zeitpunkt und in dieser bergigen Lage Rottanne, Rotbuche die beherrschenden Holzarten waren, in geringerem Ausmaß waren Weißtanne und an bestimmten Orten auch weitere Holzarten, z.B. Moorbirke, Waldkiefer, Grauerle, Salweide u. dgl. vertreten.

Die hiesigen klimatischen und geomorphologischen Bedingungen definierten die Möglichkeiten, den Lebensunterhalt für Menschen zu sichern. In erster Linie war es der Wald und die Nutzung seiner Ressourcen. In dem Prozess der Besiedelung begann es nachfolgend Nichtholzboden in der Gegend um einzelne Siedlungen zu entstehen. Dieser dehnte sich im Laufe der Zeit aus. Der Nichtholzboden wurde für landwirtschaftliche Zwecke, insbesondere zur Ernährung von Nutztieren und Futtergewinnung als Wintervorrat genutzt. Es sind Weiden und Heuwiesen entstanden. In der Geschichte wurde diese Einordnung nicht strikt eingehalten, in einigen Jahren wurden Weiden gemäht, geweidet wurde auch auf den Heuwiesen, in Nährgebieten war auch die Waldweide üblich. Das Nebenprodukt der Deckung menschlicher Grundbedürfnisse war die Bildung von Nichtholzboden-Biotopen, des sog. sekundären Nichtholzbodens. Der primäre Nichtholzboden entstand spontan durch natürliche Bedingungen (zu nass, zu trocken, damit hier die Bäume dominieren können - z.B. Felsen oder Moorboden). Unter den hiesigen Bedingungen entwickelten sich dank menschlicher Tätigkeiten bestimmte gras-krautige Gesellschaften. Deren Eigenschaften und Artenzusammensetzung werden insbesondere durch den Feuchtigkeits- und Nährstoffgradienten geprägt.
Mosaik – Grasartenwechsel /trockene und feuchte Arten/ auf einer Wiese
Die meist nassen Standorte besiedeln die Arten von Distelwiesen und nicht kalkigen Quellbereichen – es sind Sumpfdotterblume (Caltha palustris), Verschiedenblättrige Kratzdistel (Cirsium heterophylum), Teich-Schachtelhalm (Equisetum fluviatile), Kleiner Baldrian (Valeriana dioica), Quellkraut (Montia halli), Bitteres Schaumkraut (Cardamine amara), Schlangen-Knöterich (Bystorta major) udw. Die trockenen und nährstoffarmen Standorte mit flachem Boden bedecken die Grasbestände mit dem vorherrschenden Borstgras (Nardus stricta). Diese Grasbestände sind sehr nährstoffarm, liefern das Minimum an Futter und können stellenweise auch ziemlich artenarm sein. Es kommen hier z.B. Kanten-Hartheu (Hyrericum maculatum), Aufrechtes Fingerkraut (Potentilla recta), Wohlriechendes Ruchgras (Anthoxantum odoratum) vor. Abwechselnd nasse, jedoch nährstoffarme Böden nehmen die Gesellschaften von pfeifengrasreichen Wiesen ein. Es kommen hier visuell sehr attraktive und für den Umweltschutz wertvolle Pflanzenarten wie Wald-Läusekraut (Pedicularis sylvatica), Niedrige Schwarzwurzel (Scorzonera hummilis), und ferner dann z.B. Sumpf-Segge (Carex nigra) und an feuchteren Standorten auch Breitblättriges Wollgras (Eriophorum latifolium) vor. Die mittelfeuchten und nährstoffreichen Böden werden von den Arten der glatthaferreichen Wiesen besiedelt. Es dominieren hier Gewöhnliche Glatthafer (Arrhenatherum elatius), Rotschwingel (Festuca rubra), anwesend sind die Arten wie Gamander-Ehrenpreis (Veronica chamaedrys) und oft dominiert Löwenzahn (Taraxacum sect. Ruderalia).

Unter den einzelnen Wiesentypen gibt es lockere Übergänge und in Kristallform sind diese nur selten zu finden. Durchaus normale Erscheinung ist jedoch, dass die einzelnen Rasentypen Mosaiken bilden, indem die einzelnen Wiesentypen räumlich getrennt sind oder der eine in den anderen in Abhängigkeit von Bodentiefe, Feuchtigkeit, Nährwert oder Himmelslage stetig wechselt. Die nährstoffarmen und im Gegenteil die nährstoffreichen gedüngten (eutrophen) Wiesen lassen sich während der Vegetationssaison auch ohne Pflanzenkenntnis an der Farbe erkennen. Die gedüngten Wiesen haben dunkelgrüne Farbe und im Frühling sind voll von gelben Löwenzahnblüten. Die nährstoffarmen Wiesen sind wesentlich heller.

In die Landschaft von Finsterau als auch anderen Berggemeinden gehören unwegdenkbar die sog. agrarischen Deiche oder Ackerraine. Die Menschen sammelten mit erheblichen Anstrengungen Gesteinsbrocken und Steine auf, die der Nutzung von Nichtholzboden für landwirtschaftliche Zwecke hinderten und a stapelten sie in die Liniengebilde entlang seiner Grundstücke auf. Diese agrarischen Deiche bilden ein zusammenhängendes Netz in der Landschaft, wodurch die räumliche Anordnung der Landschaft definiert und das regionale Landschaftsbild mitgeschafft wird.
Agrarwall ist ein typisches Landschaftselement – ein Werk der menschlichen Händen und der Natur
Aufgrund der Sukzession (Besiedlungsnachfolge oder Vegetationsentwicklung) sind diese Raine mit der typischen Vegetation bewachsen worden. Es kommen hier stockartigen und baumartigen Formationen mit Arten wie Bergahorn (Acer pseudoplatanus), Vogelbeerbaum (Sorbus aucuparia), Gemeine Birke (Betula pendula), stellenweise auch Rottanne (Picea abies), Salweide (Salix caprea), Traubenkirsche (Prunus padus) usw. vor. In der Nähe der Häuser gibt es hier auch Obstbäume, z.B. Kirsche. Im Unterwuchs wächst dann Artengemisch von Wiesen, Wälder und Bachauen. Es dominiert oft Heidelbeerkraut (Vaccinium myrtilus), üblich sind die Arten wie Buschwindröschen (Anemone nemorosa), Borstgras (Nardus stricta), Himbeere (Rubus idaeus), Glatthafer (Errenatherum elatior), Rote Lichtnelke (Melandryum rubrum) u. dgl. Auf den Felsbrocken und der Borke der Baumarten haben seinen unwegdenkbaren Standort Dutzende von Flechten-Arten, z.B.

Ohne menschliche Besiedlung und ohne menschliche Tätigkeit würden so artenreiche Pflanzengemeinschaften in diesem Gebiet niemals entstehen. Und dies auch kann nur durch Aufrechterhaltung der vernünftigen Bewirtschaftung erhalten bleiben. Ohne Mähen oder Weide werden Wiesen und Weiden aufgrund der Sukzession zum Wald zurückkehren. Bei kräftiger Wiesendüngung verschwinden die sensiblen und edlen Pflanzenarten zum Nachteil der wenigen üblichen Arten.

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